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Besser werden fängt damit an, dass man sich gut fühlt - Ausbildungserfolg verstärken, Auszubildende stärken

Sach- und Fachthemen   |   19.08.2026

Sommer 2026: Die Liedzeile „Du bist gut genug“ macht Furore, ein Sensationserfolg, national wie international. Der im Song gleich dreizehnmal wiederholte Refrain bringt nämlich auf den Punkt, was der jungen Generation mit am meisten zu schaffen macht: Selbstakzeptanz. Zu oft trifft ein hoher Anspruch an sich selbst auf tief sitzen­de Ängste, nicht zu genügen. Dazu kommen all die Bewertungen, Normen, Anforderungen, Rol­lenerwartungen in den sozialen Medien, im Freundeskreis, in Elternhaus, Schule und Ausbildungsplatz. Der Mutmach-Refrain hat da mal so richtig Druck raus­genommen.

Auch wer ausbildet, muss unbedingt auf das Thema Selbstwert eingehen. Zum einen, weil die mentale Gesundheit der Azubis mit zur Ausbildungsverantwortung und zu menschlich fairer Führung gehört. Zum ande­ren, weil die Berücksichtigung seelischer Befindlichkeiten Fehl­zeiten und Abbruchquoten senkt, Motivation und Lernleistung verbessert – und letztlich das Arbeitsklima insgesamt.

 

Verlässlichkeit und Wachstumsfreiräume geben

Zu den wichtigsten Kraftquellen gehören die grundsätzliche Haltung, die sich den Azubis auch ohne große Worte mitteilt, sowie wertschätzender Austausch im Arbeitsalltag, der dem oder der Einzelnen Raum gibt. Ausgesprochen hilfreich sind hier regelmäßige kleine Teamroutinen, die den Nachwuchs auf Augenhöhe einbe­ziehen. Betriebe, die so etwas praktizieren, empfehlen beispielsweise Fallbe­sprechungen und machen gute Erfahrungen mit kollegialen Feedbackrunden, bei denen Lob/Tadel sowie Umsetzungs- oder Verbesserungsvorschläge auch vom Azubi-Team kommen statt immer nur von Vorgesetzten.

Üben, üben, üben – bis es Spaß macht!

Handwerkliche Sicherheit zu fördern hilft überraschend wirksam auch gegen seelische Unsicherheit. Jedes erfolgreiche fachliche Training stärkt auch innerlich. Besonders gut kommt an, wenn im Betrieb speziell entwickelte Übungseinheiten die üblichen Aufgabentypen ergänzen. Allein schon die Tatsache, dass Ausbildungs­partner sich eigens etwas Besonderes überlegt haben, wertet das Üben erheblich auf. Wiederholungen, Einübung von Fertigkeiten, Steigerung von Präzision und Tempo werden gleich viel positiver empfunden. Routine zu entwickeln macht außerdem von Mal zu Mal selbstbewusster.

Genau zuhören, gelassen antworten

Befindlichkeiten werden gern in Jugendsprache-Buzzwords ausgedrückt. Meist sind es Übertreibungen, hier und da sogar Provokationen. Man sollte aber nie die Sprache beanstanden, sondern die so geäußerten Gefühle erst mal grund­sätzlich anerkennen. Dann inhaltlich klären, was genau gemeint ist. So kann man am entspanntesten zu einer guten Reaktion finden. Wir nehmen mal drei gängige Trendausdrücke als Beispiele:

  • Beschwerde „Das triggert mich“. Wissenschaftlich gesehen sind eigentlich nur schwere Traumata echte Stress-Trigger. Aber umgangssprachlich wird das Wort gern verwendet, um Missfallen, Unbehagen oder Gekränktheit auszudrücken. Einfach nachfragen und in aller Ruhe die Empfindungen schildern lassen. Bei Bedarf gemeinsam Problemlösung überlegen oder mit sachlichen Ansagen reagieren, wenn erkennbar dramatisiert wurde, um irgendeinen Zweck zu erreichen.
  • Situation oder Person wird als „toxisch“ bezeichnet. Manchmal ist das nur ein modisches Schimpfwort, kann aber auch Ausdruck für das Gefühl von Manipulation, verletzender Kommunikation, Herabsetzung sein. Hier um konkrete Beispiele bitten. Was bewiesen ist, kann besser besprochen werden. Bestätigt sich die Toxizität, un­terstützt man dabei, Grenzen zu setzen oder beendet die Belastungssituation kon­sequent. Zum Beispiel, indem man den betroffenen Azubi aus der Schusslinie nimmt und dem arroganten Kunden eine erfahrenere Kraft zuteilt.
  • Eigene oder fremde Vorhaben werden als „delulu“ abgetan. Eine Umschreibung für unrealistische Erwartungen. Wurde der Ausdruck selbstironisch, selbstentwertend oder sogar resigniert gebraucht? Dann mit Ermutigung reagieren. Obwohl bzw. ge­rade weil Jugendliche heute stark imageorientiert sind bis hin zu „Aura Farming“, gibt es andererseits auch die Tendenz, sich durch übertriebene Selbstkritik ganz schnell und nachhaltig niederzumachen, sobald irgendetwas nicht ganz so gut läuft.

 

In einem früheren Blogbeitrag ging es mal um Resilienz als Notwendigkeit für betrieb­lichen Erfolg und Zukunftsfähigkeit. Wer die Resilienz aller Mitglieder des Betriebs stärkt, tut für die Einzelnen das Richtige UND für die Firma. Während einer Ausbil­dung bieten sich die besten Möglichkeiten, darauf hinzuführen – und so besonders verantwortungsbewusst zu führen.



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