„Wer nicht grün denkt, für den sieht es schwarz aus“:

Nachhaltigkeit sichert die Zukunft – auch die betriebliche

 

Na klar, bei Solardächern, Gründächern, Schiefer, Reet & Co. sieht es man natürlich sofort, dass nachhaltige Ausführungen zu den selbstverständlichen Leistungen des Dachdeckerhandwerks gehören. Zu großen Teilen war das ja sogar schon so, ehe das ursprünglich aus der Waldwirtschaft stammende Bewirtschaftungsmodell zum strategischen Konzept wurde. Aber zur Nachhaltigkeit gehört noch viel mehr als die Herstellung nachhaltiger Eindeckungen. Sie kann und soll in allen Bereichen zum Leitgedanken von Beschaffung, Organisation, Beratung, Planung und Umsetzung werden. Und dies nicht nur, um umweltpolitische Vorgaben zu erfüllen, sondern auch, weil Nachhaltigkeit längst zum wirtschaftlichen Erfolgsfaktor geworden ist. Mal ganz abgesehen davon, dass sie vielen Unternehmerinnen und Unternehmern aus innerster Überzeugung persönlich am Herzen liegt. Und wo echte Identifikation mit nachhaltigen Zielen und Begeisterung das unternehmerische Handeln leitet, wird natürlich noch mehr Wirkung und Resonanz erzielt. Übrigens auch bei Klientel, interessiertem Teamzuwachs und Nachwuchs. Denn Nachhaltigkeit macht einen Betrieb sowohl für motiviertes neues Personal als auch für neue Kundschaft ganz besonders attraktiv: Sie garantiert nachweislich besonders hohe Akzeptanz.

 

Wo und wie geht´s weiter ins Grüne?

Nachhaltigkeit beginnt mit Nachdenken. Und weil die Dachdeckerei ohnehin schon einen hohen „Grünanteil“ hat, ist es eigentlich einfacher als in vielen anderen Branchen, weiteres Potential für nachhaltigere Abläufe und Produkte zu ermitteln und zu erschließen. Dabei ist jede einzelne Maßnahme wichtig, es zählen durchaus auch scheinbare Kleinigkeiten.

Im Bereich Beschaffung und Entsorgung könnte dies zum Beispiel umfassen, beim Einkauf nicht nur das Baumaterial, sondern auch das Büro- und sonstiges Ver­brauchs­material – bis hin zur Beleuchtung – noch konsequenter nach Nachhaltigkeitskriterien auszuwählen. Etwa indem man überall dort Wegwerfartikel meidet, wo es für denselben Zweck Wiederverwendbares gibt.

Selbst wenn man hier schon sehr viel macht, ist es sinnvoll, immer wieder einmal neu zu recherchieren und nachzujustieren. So entdeckt man weiteres Potential und bleibt aktuell, was etwa Einsatzmöglichkeiten für noch nachhaltigere Produktinnovationen angeht.

 

Einfach auch mal „Plätzchen-Pädagogik“

Selbst beim Kauf von Kaffee, Tee, Säften und gesunden Snacks fürs Morgen-Meeting greift man idealerweise auf Produkte aus nachhaltiger Landwirtschaft zurück. Ein positiver Nebeneffekt ist der höhere gesundheitliche Wert, schließlich sind Bio-Bananen ernährungsphysiologisch wertvoller als zuckerlastige Snackriegel aus industrieller Produktion. Fitness-bewusste Unternehmerinnen und Unternehmen nützen die Frühstückspausen so fürs sanfte „nudging“: Positive Genusserlebnisse „stupsen“ die Teammitglieder an, sich vielleicht auch privat mehr für Vitalkost nachhaltigen Ursprungs zu interessieren.

Die Verköstigung bei – mit Rückgang der Pandemie-Einschränkungen wieder öfter stattfindenden – Kundenevents, Hausmessen usw. gestattet, gleichzeitig anderen, ebenfalls nachhaltig denkenden Handwerksunternehmen ein Forum zu bieten. Etwa indem man die Sandwichplatten fürs Kundenfest beim Bio-Bäcker und Öko-Metzger bestellt und gut sichtbar nebendran deren Werbeprospekte auslegt. Gerade mit solchen Details lässt sich der Kundschaft glaubwürdig vermitteln, dass man es ernst meint mit der Nachhaltigkeit, indirekt wird also auch das eigene Profil unterstrichen. Auch wenn man in der Nachbarschaft einer Baustelle im Rahmen einer „Sorry, es wird laut“-Aktion mal Brötchen oder Kekse verteilt, macht eine nachhaltige Herkunft das Präsent zur überzeugenden Werbebotschaft.

 

Verabschieden, was sich zu schnell verabschiedet

Ein wichtiger Aspekt ist, sich durch wohl überlegte Kaufentscheidungen der sogenannten Obsoleszenz, dem quasi ab Werk eingebauten, gewollten raschen Verschleiß, zu entziehen. Bekanntlich sind viele technische Geräte heute bewusst auf eine geringe Haltbarkeit und Nutzungsdauer hin konstruiert. Darauf sollte man kritisch achten und diese Art Ware nach und nach konsequent aus dem eigenen Unternehmen verbannen. Am besten macht man sogar dann die Haltbarkeit zum wesentlichen Kaufkriterium, wenn es um scheinbar nebensächliche Käufe geht – typisches Beispiel: die neue Spülmaschine für den Sozialraum.

Für dessen Ausstattung kann man auch Mobiliar einbeziehen, das aus aufgearbeiteten gebrauchten Stücken besteht oder im Hause aus Restmaterial hergestellt werden konnte. Je nachdem, welche sonstigen Gewerke mit im Unternehmen vertreten sind, kann man die Auszubildenden mit an der kreativen Gestaltung beteiligen und so nicht nur die Identifikation mit den „eigenen“ Räumen stärken, sondern gleich auch praktisch Nachhaltigkeit lehren.

 

Digital – für Nachhaltigkeit total

Eine wichtige Rolle bei der Steigerung der betrieblichen Nachhaltigkeit spielt die Digitalisierung. Sie macht es möglich, das Management vieler unternehmensinterner Abläufe von der Warenwirtschaft bis hin zur Geschäftskommunikation, aber etwa auch Planungen, die Angebotserstellung und das Rechnungswesen, weitgehend papierfrei zu gestalten. Speziell auf die Bedürfnisse des Handwerks zugeschnittene Tools entlasten eine Vielzahl von Prozessen und machen Arbeitspotenzial für andere Aufgaben frei. Selbst wenn es paradox erscheint, gilt in diesem Bereich die Regel, dass mehr Technik für mehr Naturressourcenschonung sorgt und zudem die Bindung von wertvoller Arbeitskraft reduziert.

 

Keine Qual: die Materialwahl

Bei den Baumaterialien setzen Dachdeckereien in punkto Nachhaltigkeit erfolgreich auf ein Dreifach-Prinzip.

  1. Möglichst nachhaltige Ausgangsmaterialien: Wenn die Wahl zwischen ökologischen und konventionellen Produkten besteht, hilft gute Information des ausführenden Betriebs den Kunden, sich für die nachhaltigere Lösung zu entscheiden. Es lohnt sich daher, sich durch Besuch von Infoveran­staltungen der Hersteller weiterzubilden und auf Nachhaltigkeits-kompetente Beratung vorzubereiten. Manche Dachdeckereien bieten inzwischen nicht-nachhaltige Materialien nach Möglichkeit sogar gar nicht mehr mit an.
  2. Bevorzugung von langlebigen Produkten und Baustoffen: Was länger hält, ist per se schon nachhaltiger. Etwa dadurch, dass die für die Herstellung investierte Primärenergie somit eine verlängerte Wirkdauer erhält. Man kann außerdem auch aktiv viel dafür tun, dass Dinge länger halten. Bei der Werkzeugpflege spielt das sogar eine ganz gewichtige Rolle und hilft mit, Kosten zu sparen.
  3. Recycling, Upcycling, Reste der Verwertung zuführen statt entsorgen und selbst gewerkspezifische Restmengen-Materialbörsen nutzen: All das hilft bei der Verbrauchsreduktion und Schonung von Ressourcen, kann Engpässen und Materialmangel entgegen wirken und trägt außerdem dazu bei, Beschaffungskosten zu senken.

Materialwirtschaft, Zukunftsforschung und Trend-Architektur sagen voraus, dass zum Beispiel Stadtsanierungen schon bald zu einer bedeutsamen Sekundärmaterialquelle werden („Urban Mining“) und dass künftig in großem Umfang mit Materialen gebaut werden wird, die bereits mindestens einen Lebenszyklus durchlaufen haben. Es ist sinnvoll, sich frühzeitig zu interessieren, vielleicht sogar in solche Kreisläufe einzubringen. Schließlich fallen Forschungen des Zukunftsinstituts zufolge allein in Deutschland pro Jahr mehr als 200 Millionen Tonnen mineralischer Bauabfälle an.

 

Veränderungen vorbereiten

Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben für die Entwicklung moderner Mobilität ist der Weg bis zum komplett elektrisch angetriebenen Fuhrpark noch weit. Die Umstellung der Firmenflotte auf Elektrofahrzeuge benötigt eine passende Infrastruktur und erfordert schließlich erst einmal Investitionen. Sie wollen gut überlegt sein, auch wenn die rasant gestiegenen Treibstoffpreise jetzt eine zügigere Anpassung ratsam erscheinen lassen.

So oder so bewährt es sich, im Vorfeld auf dem Betriebsgelände frühzeitig eine für den künftigen Bedarf ausreichende Stromerzeugung sicherzustellen. Wer beispielsweise seinen Fahrzeugbestand gerne noch bis ans Ende von dessen Lebensdauer aufbrauchen möchte, aber zugleich gerade eine neue Lagerhalle auf dem Betriebsgelände benötigt, sollte Solartechnik und Ladestationen schon mal mit einplanen und von vornherein entsprechend dimensionieren. Auch wenn es der tüchtige Pritschenwagen „noch ´ne Weile tut“…

Gerade weil es in jedem Wirtschaftsunternehmen gilt, mögliche Kostensteigerungsfaktoren durch vorausschauende Strategien auszuschalten, ist es ausgesprochen wirksam, Richtung Selbstversorgung zu streben und sich so weit wie möglich unabhängig von externen Energieanbietern zu machen.

 

Nachhaltigkeit profiliert nachhaltig

Nicht zuletzt kann die gezielte Setzung nachhaltiger Akzente dem eigenen Leistungs­angebot mehr Profil verleihen. Die Dachdeckerei ist ja ohnehin darauf angelegt, Dächer zu bauen, die lange halten und nach Möglichkeit mehr als einer Generation verlässlich Schutz bieten. Künftig gilt es, noch deutlicher zu machen, dass das Dachdeckerhandwerk sehr wesentlich dazu beiträgt, die Nutzungsdauer von Gebäuden erheblich zu steigern, bis hin zu den Leistungen im Denkmalschutz. Auch Bereitschaft und Kompetenz im Bereich innovativer Sanierungskonzepte zu signalisieren macht die Zukunftsfähigkeit des eigenen Betriebs und der gesamten Branche deutlich.

Bislang ist längst – noch nicht einmal konzeptionell – ausgeschöpft, welches Nachhaltigkeitspotential sich erschließt, wenn man alte, vormals zumeist als ersetzungsbedürftig eingestufte Gebäude nicht abreißt, sondern durch teilweisen Rückbau in Kombination mit Umbau neue Nutzungsmöglichkeiten sowie nach Möglichkeit auch Wohn- sowie Nutzflächenzuwachs schafft. Solche Konzepte zu entwickeln obliegt in erster Linie Stadtplanern, Architekturbüros und Politik. Doch dann folgt alsbald die Baubranche und mit ihr die Dachdeckerei; sie qualifiziert sich hier als Nachhaltigkeits-Pionier.

 

Förderliche Einflussfaktoren berücksichtigen

Zunehmend stellen die Führungskräfte von Dachbauunternehmen zudem fest, dass auf Kurzlebigkeit angelegte Bauvorhaben ein wenig befriedigendes Auftragsgebiet darstellen, zumal Facility Manager schon heute verpflichtet sind, Nachhaltigkeit in ihren Objektplanungen zu berücksichtigen. Es ist also in mehr als einer Hinsicht für einen selbst wie auch für die Umwelt von Vorteil, in Verhandlungen entsprechend vorbereitet zu sein und diesen Aspekt zielstrebig mit ins Spiel zu bringen.

Für reichlich Unterstützung sorgen schließlich auch die staatlichen Programme! Die gibt es nämlich auch nach den diesjährigen Änderungen nach wie vor, und zwar anders als vielfach angenommen nicht nur für private Sanierungen, sondern ebenso für energieeffiziente Nutzbauten. Sprich zum Beispiel für Hallen- und Gewerbebau mit Photovoltaik auf dem Dach, Dämmungen, sonstige Maßnahmen an der Gebäudehülle. Die Zeiten von kurzlebigen Märkten, Lagern, Hallen und „Einweg-Shops“ sind vorbei. Nachhaltigere Nutzbauten sind stark im Kommen und werden auch durch die BEG-Regelungen für effiziente Nichtwohngebäude gefördert.

 

Nachhaltigkeit: ein wirksames Marketing-Argument

Abschließend gilt es noch, aus den Leistungen und Überzeugungen praktische Verkaufsargumente abzuleiten, sowohl für die Gewerbe- wie für die Privatkundschaft. Denn das Entscheidungsverhalten hat sich – mehr als allgemein bekannt und bewusst ist – längst an die nachhaltige Trendwende angepasst oder treibt sie sogar weiter voran.

Immer mehr Kundinnen und Kunden fragen sehr genau danach, welches Konzept hinter dem Angebot eines Unternehmens steht, wie sein ökologischer Fußabdruck und seine ethischen Prinzipien aussehen. Bevorzugt werden Anbieter, mit deren Idealen man sich identifizieren kann.

Besonders interessant ist auch, dass beim Entscheidungsverhalten der persönliche Vorteil, zum Beispiel durch Energieeinsparungen, nur ein Aspekt von mehreren ist. Fast der Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher liegt ganz ohne den Blick auf den Eigennutz am Herzen, dass zugunsten aller die natürlichen Ressourcen geschont werden.