Wenn das Dach über dem Kopf wächst:

Pflanzenarten für den Top-Trend Begrünung

Wir haben an dieser Stelle schon mal darüber berichtet: Dächer mit natürlicher Begrünung steigen seit Jahren in der Beliebtheit. Das gilt sowohl für Privathäuser als auch für große Wohn- und Gewerbeimmobilien und öffentliche Bauten. Auf dem Land passt sich Bauwerksbegrünung harmonisch ins Umfeld ein, im urbanen Raum bringt sie mehr Natur in die Stadt und setzt Akzente in ökologischer Architektur. Öffentliche Förderung unterstützt den Trend, beispielsweise durch Festschreibung von Gründächern in Bebauungsplänen oder teilweisen Erlass der Abwassergebühren für versiegelte Flächen. Je nach Bauwerk und Region können außerdem auch Direktzuschüsse in Anspruch genommen werden.

Für die Begrünung geeignet sind Flachdächer – auf einer Ebene oder in Terrassen abgestuft – sowie Giebeldächer mit geringer Neigung. Sie können jeweils ganz oder teilweise begrünt sein.

Gelegentlich findet man auch noch als Lösung mit besonders hohem Wohnwert Penthäuser mit vorgelagertem oder umgebendem Dachgarten sowie Gebäude, deren Gründach so groß und großzügig angelegt ist, dass das Gebäude darunter fast wie ein unter einen Hügel geschobenes Haus wirkt. Was ein bisschen märchenhaft aussieht und ganz einzigartige Erlebnisdimensionen erschließt! Eines der berühmtesten Beispiele sind die Gründachhäuser, die der Künstler Friedensreich Hundertwasser für das steirische Thermalbad Blumau entworfen hat.

Mit welchen Pflanzen darf man hoch hinaus?

Man unterscheidet zwei Bepflanzungsformen: extensive und intensive Dachbegrünungen. Das extensive Gründach besteht aus einem Dünnschichtaufbau mit Substrat und trockenheitsverträglicher Vegetation. Die Pflanzen sollen höchstens 20 cm hoch werden. Das intensive Gründach erhält einen vollwertigen Bodenaufbau. Je nach Schichttiefe ist dann sogar die Bepflanzung mit kleinen Bäumen möglich. In der Regel siedelt man jedoch Pflanzen bis 40 cm Wuchshöhe an.

Typische Pflanzen für eine extensive Dachgestaltung sind Gräser und Kräuter, Moose, Steinbrechgewächse und Vertreter der Sedum-Arten wie Trippmadam, weißer Mauerpfeffer und Hauswurz. Reicht die Erdschicht dafür aus, können auch Ziergräser angepflanzt werden, etwa Segge, Zitter- und Schwingelgras. Schöne Polster bilden duftende Gartenkräuter: Bohnenkraut, Lavendel und Wilder- und Feldthymian, Wildmajoran, kleinwüchsige Kamille- und Salbeiarten. Blaukissen, Gänsekresse, Prunelle, Felsennelke, Fingerkraut, Wiesenknopf und Schafgarbe, Habichtskraut und Karthäusernelke bereichern den extensiven Bewuchs ebenfalls.

Man überlässt ihn nach dem Anlegen weitgehend sich selbst. Das Dach wird nur ab und an zur Kontrolle betreten, zweimal jährlich reicht meist aus. Es ist durchaus erwünscht, dass sich wilde Arten dem gepflanzten Biotop hinzu gesellen. Entfernt wird nur, was zu hoch zu werden droht oder durch in die Tiefe bohrende starke Wurzeln dem Schichtaufbau schaden könnte. Extensivdächer kann man aber durchaus auch beernten und bei der Gelegenheit gleich die Kräuter in Form stutzen.

Welche Auswahl man im Einzelnen trifft, hängt von den klimatischen und sonstigen Standort-Bedingungen (Schichtaufbau, Beschattung durch Bäume in der Nachbarschaft etc.) ab. Meist vergesellschaftet man nach zueinander passenden Lebensräumen – etwa Sedum+Moos bzw. Sedum+Moos+Kraut oder Gras+Kraut bzw. Sedum+Gras+Kraut. Denn in der Regel wachsen auf Dächern, auf denen Moose gedeihen, Gräser eher schlecht und umgekehrt.

Für intensive Dachbegrünungen eignet sich eine deutlich größere Anzahl von Arten. Da sie oft als Dachgärten angelegt sind, reicht das Spektrum der Möglichkeiten von Rasenflächen bis hin zu regelrechten Zier- oder sogar Nutzgärten. Wegen der meist exponierten Lage auf dem Dach werden jedoch in der Regel einheimische Arten bevorzugt, die dem Klima gut angepasst sind. Beliebt ist die Pflanzenauswahl nach Themen, etwa Bauerngarten – mit Stauden wie Margeriten, Rittersporn, Phlox, Sonnenhut, Königskerze, Storchschnabel –, ein duftender Rosengarten oder eine Kombination aus Rasen und Gehölzen.

Intensive Dachbegrünungen erfordern immer auch intensive Pflege: Bewässerung, Düngung, Schnitt, oft auch Jäten. Ein intensiv begrüntes Dach kann man sich nicht einfach selbst überlassen. Andererseits belohnt es die Mühen durch den hohen Freizeitwert, insbesondere wenn es auch Terrassen mit Sitzgelegenheiten, kleine Lauben oder Pergolen oder sogar Gehwege gibt.

Grün macht glücklich –
Hoher Nutzen für Mensch und Umwelt

Begrünungen erhöhen nicht nur ganz erheblich den Wohnwert von Gebäuden, sondern sorgen für eine Vielzahl weiterer Vorteile:

  • Ob extensiv oder intensiv – dank der Dachbepflanzung wird Regenwasser gespeichert und verdunstet erst nach und nach, was für eine kontinuierliche Luftbefeuchtung sorgt.
  • Die Speicherwirkung der Pflanzen sowie des Substrats, in dem sie wachsen, entlastet außerdem die Kanalisation.
  • Die Dach-Pflanzen wirken wie Staub- und Schadstoff-Filter; ihr Stoffwechsel verbessert die Luftqualität.
  • Gründächer beeinflussen das Gebäudeklima positiv. Im Winter wirken sie wie eine Wärmedämmung, im Sommer halten sie hohe Temperaturen draußen. Der Dämmeffekt spart übrigens sogar Heizkosten.
  • Auch zum Schallschutz trägt ein Gründach merklich bei. Es schluckt Umgebungslärm und sorgt für verbesserte Schalldämmung der Innenräume.
  • Bepflanzte Dächer sind insbesondere in städtischen Wohngebieten wertvolle Nahrungsflächen und Lebensräume für Wildtiere, vor allem Insekten.
  • Mit guter gärtnerischer Beratung können Sie sogar eine Bienenweide auf dem Dach anlegen und so zum Schutz dieses bedrohten Nutztiers beitragen. Auch Vögel profitieren von dem zusätzlichen Angebot an Brutplatzflächen.