Viel Neues am, auf und unter dem Dach!

Bau-, Wohn- und Designtrends 2023

 

Schon seit Begründung dieses Blogs gehört eine kurze Trendschau im Januar zur Tradition. Schließlich blickt man in der Branche zu Jahresbeginn stets besonders aufmerksam auf die bald beginnende neue Bausaison. Diesmal jedoch mehr als sonst. Einerseits, weil von einigen Vorjahresereignissen erhebliche zusätzliche Entwicklungs- und Änderungsimpulse ausgingen. Andererseits, weil in der Branche starke Umbrüche erwartet werden – deutliche Rückgänge im Neubausektor, ein Aufwärtstrend bei Bestandserhalt, Nachverdichtung und Modernisierungen.

Zwar sagen Gesellschaftsforscher und Philosophen ja schon seit je her, das Normale an echten Veränderungen sei, dass sie die Normalität verändern… Doch für diesen Start ins neue Jahr trifft das ganz besonders zu! Lassen Sie sich einladen zu einem kleinen Rundumblick:

 

Herausforderungen und Chancen

Schon im Vorjahr zählte Autarkie zu den wichtigsten Trendthemen. Das wird sich weiter deutlich fortsetzen, und zwar vor allem in zweierlei Hinsicht. Zum einen werden Lösungen für die Energie-Autarkie von Gebäuden noch stärker boomen als bisher schon. Das Spektrum reicht vom kleinen „Balkonkraftwerk“ bis hin zu großen baulichen Komplettlösungen, etwa für Strom und Wärme aus Sonne und Wind.

 

Zum anderen streben immer mehr Menschen nach persönlicher Autarkie ihres Hausstands. Sie wollen sich unabhängig machen von Marktschwankungen und Unsicherheiten im Wohnsektor, setzen daher auf die Formel „klein, aber mein“. Nicht nur die Nachfrage nach Tiny Houses steigt deshalb. Wo nicht genügend Bauplatz oder Budget zur Verfügung steht, bieten sich als Alternative Mikro-Appartements an, die in einigen Ländern schon länger zum Immobilien-Repertoire gehören. Solche sehr kleinen Appartementwohnungen sind ebenso konsequent wie intelligent auf maximale Raumnutzung ausgelegt und oft so clever ausgestattet wie erstklassige Caravans. Auch andere Formen von unkonventionellem, gern kompaktem, Wohneigentum sind stark nachgefragt. Das geht bis hin zu Wohnbooten, für die – siehe unten – hier und da bald wieder mehr geeignete Wasserflächen zur Verfügung stehen werden.

 

Bedenken wegen der allgemeinen Kostensteigerungen wie auch der Energie­kostenentwicklung sowie ganz generell die Notwendigkeit von Energieeinsparungen sensibilisieren zunehmend für die Möglichkeiten, den Energiebedarf von Gebäuden durch bauliche Maßnahmen zu senken. Neben der Installation von Solaranlagen, Erdwärme- und hier und da auch Windenergietechnik spielt gute Dämmung, eins der Kern-Fachgebiete der Dachdeckerei, eine immer größere Rolle.

 

Auch eine funktional optimierte, durchdachte Architektur, die von Wettereinflüssen unabhängiger macht, gehört aus den genannten Gründen zu den Top-Trends. Sie soll unter anderem Heizungsenergie im Winter einsparen helfen, durch gute natürliche Belichtung den Stromverbrauch für Kunstlicht reduzieren, den Klimaanlagen-Einsatz im Sommer durch geschickte Beschattung ersetzen oder ergänzen. Entsprechend gefragt sind auf die verschiedenen Anforderungen der Jahreszeiten abgestimmte Grundrisse, Formen, Fenster, Fassaden, Dächer und Dämmmaterialien. Gerade auch die Dächer und Fassaden leisten hier einen wichtigen Beitrag: Clevere Konstruktionen können ausgezeichnet zu Energieverbrauchsenkung, klimatischer Regulation und Schaffung kühler Schattenzonen im und am Haus beitragen.

 

Wo man den Einsatz der klassischen Heizverfahren einschränken muss, gewinnen zudem andere Wärmequellen an Bedeutung. Die Nachfrage nach Kachel- und Specksteinöfen, offenen Kaminen und anderen anheimelnden Wärmespendern ist erheblich angestiegen und deutlich im Aufwärtstrend. Hier spielt zusätzlich oft der Wunsch nach Behaglichkeit und einer auch innerlich wärmenden Atmosphäre eine große Rolle. Für offene Feuerstellen empfiehlt sich die Nachrüstung mit einem Kamineinsatz oder ein Umbau, denn sonst dürfen sie den gültigen Verordnungen zufolge nur noch gelegentlich genutzt werden. Entsprechend hoch ist die Nachfrage.

 

Modernisierungen sind ohnehin ein ganz großes Trendthema. Die Devise lautet, wie eine Frauenzeitschrift zusammenfasste: „Optimieren statt Umziehen“. An-, Aus- und Umbauten sollen für mehr Platzangebot und Wohnqualität in den eigenen vier Wänden sorgen, man verändert das Vorhandene, nicht den Standort. Kein Wunder, dass fast 160 Prozent mehr Interessentinnen und Interessenten im Vorjahr den Schlüsselbegriff „Dachbodenausbau“ in die Internet-Suchmaschine eingaben!

 

Das Bewährte zu bewahren, Gebäude, Räume und Möbel nach der Devise „aus alt mach neu“ zu gestalten, Recycling und Upcycling zu betreiben, bleibt 2023 nicht nur en vogue, sondern wird sich dem renommierten Zukunftsinstitut zufolge sogar zu einer „Re-loved Revolution“ entwickeln. Fast Furniture ist out! Auch Gestaltung mit dem Gegebenen ist schließlich eine Form von Resilienz – und gibt zudem der Vergangenheit kreativ Zukunft.

 

Technik und Material

Schon lange wird intensiv an neuen umwelt- und ressourcenschonenden Materialien geforscht. Die Hersteller bringen insbesondere auch im Bausektor Innovationen auf den Markt, die Nachhaltigkeit mit spezifischen bauphysikalischen Eigenschaften verbinden. Unglaublich, was sich hier bereits für Möglichkeiten auftun. So gibt es beispielsweise nicht nur moderne Zwei-in-Eins-Solardächer aus Metall, sondern sogar schon Terrakotta-Solarziegel im historischen Design. Wie der „Stern“ zu Jahresbeginn berichtete, werden sie zum Beispiel im Park von Pompeji installiert und tragen an der historischen Stätte mit modernster Technik zur Stromversorgung bei.

 

Auch Material-Innovationen im Fassadenbereich werden zu den Bautrends des Jahres beitragen; Leitmotive sind recycelte und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellte Produktideen. Eine besonders starke Entwicklung sagen die Prognosen für 2023 allerdings den natürlichen grünen Fassaden voraus. Interessante Trendverstärker kommen hier aus der Architekturpsychologie: Wissenschaftliche Studien belegen bessere und schnellere Heilungsverläufe, wenn Kliniken architekturpsychologische Kriterien berücksichtigen und zum Beispiel viel Grün einbeziehen. Interessante Impulse auch für das gesunde Zuhause!

 

Und inzwischen haben auch Architekten, Designer und Städteplaner verstanden, dass der öffentliche Raum wie auch umbaute Räume eine starke neurologische Wirkdimension haben, Stress auslösen oder zur Ruhe kommen lassen können. Rhythmische Strukturen mit verlässlichen Wiederholungen, Wechsel zwischen Rückzugsangeboten und Freiräumen, Temperaturzonen (Benebelung zur Erfrischung, Schatten, warme Ruheplätze), natürliche Gestaltungen mit Pflanzen, Wasser und Licht werden zum Trend und befriedigen das Bedürfnis nach emotionaler Qualität des urbanen Umfelds.

 

Lebendiger soll es Baustoffentwicklern zufolge auch an den Wandflächen im Inneren der Gebäude zugehen. Unter anderem wird jetzt über Oberflächenmaterialen diskutiert, die ein mikrobiotisch gesundes Raumklima unterstützen. Hier ist besonders an die vielen Büro-Berufstätigen gedacht, die sich hauptsächlich im Inneren von Gebäuden aufhalten müssen, was die mikrobielle Vielfalt reduziert und krankheitsanfällig macht. Schon 2021 wurde in einem Pavillon der Architekturbiennale in Venedig probiotische Architektur präsentiert. Diese Form von wortwörtlich organischem Bauen versteht sich als innovativer Beitrag zu gesünderem Wohnen. Zwar dürfte sie letztlich doch eher ein Nischenmarkt bleiben. Aber die hierzu erarbeiteten Befunde und Produktkonzepte tragen viel dazu bei, dass man gesundheitlichen Aspekten des Wohnens mehr Aufmerksamkeit schenkt. Baustoffe erhalten auf neue Weise Beachtung: als materielle Beiträge, um die Beziehung zwischen Mensch und Raum herzustellen und zu gestalten.

 

Dass der 3D-Druck sich in der Baubranche stärker entwickeln wird, ist schon länger abzusehen – und trotzdem noch nicht so weit gediehen, wie man zunächst erwartet hatte. Zwar macht die Entwicklung in den Bereichen Klima und Energieversorgung dem Druck zusätzlich Druck, denn man erhofft sich insbesondere bei der Verarbeitung von Beton von dieser material- und energiesparenden Technologie eine Verbesserung des CO2-Fußabdrucks. Doch immer noch ist vieles weiterhin eher Vision als praktische Wirklichkeit. Mit einem erheblichen Aufwärtstrend für attraktive, kreative Betonfertigteile für modulare Bauweisen sowie ganz besonders mit einem Recyclingbeton-Boom ist den Experten zufolge hingegen zeitnah zu rechnen. Fördernde Faktoren fürs serielle und modulare Bauen mit vorkonfektionierten Elementen sind neben steigenden Materialkosten und Fachkräftemangel auch die langfristigen Handling-Vorteile. Die Bauzeiten reduzieren sich, nach Ende der Nutzung können die Materialien zügig abgebaut, anderweitig verwendet oder wiederverwertet werden.

 

Diesem Trend zu neuartiger, gestalterisch ansprechender Modularisierung im großen Stil durch vorgefertigte Elemente steht ein Trend zu noch mehr Diversifikation und Individualisierung des Wohnens gegenüber. Immer öfter wird dafür sogar der feste Boden verlassen. Wohnraummangel in den Städten, steigende Immobilienpreise selbst in ländlichen Bereichen sowie teils auch der Wunsch, durch amphibische Architektur für steigende Meeresspiegel vorbereitet zu sein, haben das Wohnen auf dem Wasser zum Trend werden lassen. Floating Homes auf Flüssen, Seen und Kanälen sind in den Niederlanden bereits fester Bestandteil des Wohnungsmarkts. Es sind tatsächlich schwimmende Häuser, keine Hausboote. Auch hierzulande öffnen sich jetzt Gemeinden mit geeigneten Gewässern diesem Trend. Dass Floating Homes in der Regel nur eine geringe Grundfläche haben können, macht übrigens ihre Dächer zu besonders wichtigen Funktions- und „Gebäude“-Teilen – je nach Konstruktion dienen sie der Energieversorgung, als Obst-, Kräuter- und Gemüsegarten oder als Freizeitzone und Open-Air-Wohnzimmer.

 

Themen und Wohnformen

Kleiner, energiesparender und geselliger organisiert zu wohnen wird immer mehr Menschen wichtig. Sich mit anderen zusammenzuschließen und neue Formen gemeinschaftlichen Wohnens zu praktizieren, ist nicht zuletzt für Singles und Senioren sehr attraktiv. Generationsübergreifende Wohnprojekte,  Wohnungs-Zusammenschlüsse, Tiny House-Siedlungen, gemeinsame Baugruppen, genossenschaftliche Organisation sind nur einige Beispiele von vielen, die für diesen Trend stehen. Die Optionen sind vielfältig und eröffnen neue Möglichkeiten, nachhaltiger zusammen zu leben und ein ebenso abwechslungsreiches wie bereicherndes Miteinander zu gestalten. Ganz sicher drückt sich in diesem Trend aber auch das Bedürfnis aus, sich unabhängiger vom Marktangebot zu machen. Es geht um mehr Selbstbestimmheit. Ein weiterer Aspekt des oben schon genannten Trendthemas Autarkie.

 

Wie häufig gibt es auch eine Art Gegentrend zu Kleinteiligkeit und Minimalismus: die Wiederentdeckung der Fläche. Wer den dazu gehörigen entspannten Lifestyle liebt und es sich leisten kann oder wer es der Barrierefreiheit wegen vielleicht sogar muss, wohnt eingeschossig ebenerdig. Deshalb zählen die eine Zeitlang fast völlig in Vergessenheit geratenen Bungalows wieder zu den aktuellen Top-Haustrends. Charakteristisch für die Bungalowbauweise sind großzügige Grundrisse mit verbundenen Lebensbereichen, möglichst großflächige Terrassen und Veranden sowie dazu passende Fensterflächen, die das Draußen mit einbeziehen. Ebenso typisch sind Grundrisse, die vom gewohnten Rechteck-Klischee abweichen. L-, Z- oder auch U-Grundrissformen schaffen getrennte Trakte und tragen so zu einer gewissen Gliederung der an sich offenen Wohnzonen bei. Ein weiterer bedeutsamer Aspekt ist die Dachform. Egal ob Flachdach, Zeltdach oder Walmdach – es prägt sehr wesentlich die Gesamtanmutung. Zudem muss es für den Bungalow-Lebensstil wichtige Funktionen übernehmen, zum Beispiel durch Überstände die großen Fensterflächen schützen und Innen- und Außenräume stimmig verbinden. Der Bungalow-Trend ist also eng mit dem Thema Dach-Design verbunden.

 

Egal, ob man in die Fläche geht oder lieber wieder mehr zusammenrückt – der Einsatz neuer Technologien gehört zunehmend unverzichtbar dazu und ist aus dem Trendspektrum 2023 nicht wegzudenken. Konnektivität und smarte Lösungen sorgen für mehr Sicherheit, mehr Komfort, mehr Unabhängigkeit und Flexibilität. Vor allem kleine und mobile Lösungen sprechen die Verbraucherinnen und Verbraucher an. Große, komplexe, fest verbaute Anlagen sind wegen der Kosten und auch der eher kurzen Anlagen-Lebensdauer gar nicht so gefragt, wie viele erwartet hätten. Im Mittelpunkt des Interesses steht einfach zu bedienende, am besten sehr handliche smarte Technik mit konkret erlebbarem Nutzen, die sich schnell updaten lässt.

 

Auch die demografische Entwicklung wird zum Motor eines relevanten Bau- und Wohntrends. Inzwischen kommt mit der Generation der Baby Boomer eine besonders große und teils relativ kaufkräftige Altersgruppe ins Ruhestandsalter. Typisch für diese Generation ist besonderes Bewusstsein für Komfort, Lebensqualität und Eigenverantwortung. Es gilt, sich möglichst lange vital zu erhalten, im Alltag wie auch im Konsum- und Freizeitverhalten Gesundheit und Genuss zu verbinden und deutlich mehr für Selbstpflege und Wohlbefinden zu tun als frühere Seniorengenerationen. Komfortables Wohndesign erhält deshalb zunehmend einen hohen Stellenwert, beginnend bei steigender Nachfrage nach bequemen barrierefreien Gestaltungen, die man gern auch jetzt schon installieren lässt und zu schätzen weiß, wenn man noch rundum fit ist. Die Baby Boomer werden daher im privaten Bausektor mit Sicherheit in der Statistik der Modernisierungskunden eine der größten Gruppen darstellen.

 

In der Altersgruppe zwischen 60 und 70 steigt auch das Interesse an Angeboten für den Fall, dass Einsamkeit, eine Krankheit, Behinderungen oder Demenz für erhöhten Betreuungsbedarf sorgen. Der Trend besteht schon länger und wird sich weiter behaupten. Marktenwicklungschancen sehen Analytiker sowohl für Konzepte, die eine möglichst lange Pflege zu Hause gestatten, als auch für komfortable Wohneinrichtungen mit modularem Betreuungsangebot, das Unabhängigkeit und rasch verfügbare Assistenzleistungen verbindet.

 

Design und Kreativität

Zu den wichtigsten Wohndesigntrends gehört, dass Raumgrenzen und Funktionszuweisungen sich zunehmend reduzieren oder sogar auflösen. Multifunktionalität und Technik-Flexibilität sind angesagt. Überkommene Vorstellungen werden in Frage gestellt, immer öfter denkt man Raumkonzepte völlig neu und wagt den munteren Zweck-Mix. War – teils erzwungen, teils zumindest beschleunigt durch die Pandemie – in den beiden vergangenen Jahre „Hoffice“ bereits das angesagte Buzzword für improvisierte mobile Lösungen, etablieren sich hybride Raumideen 2023 fest in verschiedenen Räumen und widmen Zonen um. Schon jetzt arbeitet dem Bundesamt für Statistik zufolge etwa ein Viertel aller Deutschen von zu Hause aus – Tendenz steigend.

 

Besonders beliebt soll den Trendforschern zufolge in der nächsten Zeit das in die Küche integrierte Home Office werden. Schon 2022 begeisterten erste Küchenhersteller mit durchdachten Lösungen und ergänzten ihre Küchenprogramme durch Module für professionelle Büroarbeitsplätze. Besonders cool: Bei einigen Lösungen wird nicht das integrierte Büro „weggestaltet“ oder versteckt. Vielmehr lässt ausgeklügeltes Design während der Arbeitszeit die Küche verschwinden! Und noch eine andere Entwicklung verspricht künftig mehr Vergnügen am Arbeitsplatz: Auch konventionelle Büroräume werden immer öfter durch Küchenzeilen aufgelockert und aufgewertet. Das Zukunftsinstitut erfand dafür den bezeichnenden Begriff „Koffice“.

 

Auch die Erschließung von Schuppen und Gartenhäuschen fürs heimische Büro soll künftig kräftig boomen. Wozu noch in ein externes Büro, wenn vor der eigenen Haustür Vorhandenes umgebaut werden kann? Das erfordert, die Nutz- und Nebengebäude bewohnbar zu machen, unter anderem durch ein dichtes, gut isoliertes Dach, Außenwanddämmung, Heizung, Stromversorgung, Internet und Telefonie. Inzwischen haben sich auch schon einige Hersteller auf den Trend eingestellt und bieten anschlussfertige Office-Gartenhäuser an. Wer dem interessanten Trend folgen und demnächst jeden Tag „Gartenarbeit“ leisten möchte, muss sich allerdings informieren, welche planungs- und baurechtlichen Regelungen eventuell zu berücksichtigen sind.

 

Zum Hybrid-Raum wird künftig auch das Bad immer mehr. „Spathroom“ lautet das dem Trend zugeordnete Stichwort, wortspielerisch gebildet aus „Spa“ und „Bathroom“. Im Deutschen klingt verlockend auch noch Spaß mit an, was die Situation sehr treffend kennzeichnet. Denn Hauptmerkmal dieser trendigen Entwicklung ist, den Aufenthalt im Bad zum gesunden Freizeitvergnügen auszudehnen und entsprechend so viel Platz und Features für tägliche Entspannungsroutinen und Reinigungsrituale zu schaffen, dass tatsächlich ein kleines Spa entsteht. Da ist man inzwischen weit jenseits der in den 1970er Jahren gehypten integrierten Familiensauna! Einige typische Konzepte und Kennzeichen: partielle Öffnung des Bads zu anderen Räumen hin, zum Beispiel als Kombination Baden & Schlafen, Baden & Wohnen. Großzügige Fenster- und Türlösungen mit Verbindungen nach außen zu Balkons, Patios und Loggien fürs Sonnenbad, Garten-Wasserflächen und Pools. Aufwertung der Badmöbel, Ergänzung durch Entertainment- und Medienmodule, Sitzmöbel, Bücherregale, Liegen und Sofas, Barschränke und Kühlschränke für Kosmetika und Erfrischungen. Bepflanzungen, Kombi-Waschbecken mit Quellen oder Springbrunnen-Anmutung, Szenario-Duschen mit Bild-, Sound- und Lichteffekten. Neue Wannenformen, Tauch- und Kneippbecken. Dampfbad, Schnee- und Infrarotkabinen. Gestalterisch wird von Farmhaus-Strenge bis zum grünen Dschungelerlebnis, von gemütlichem Kur-Ambiente bis hin zur Luxusressort-Atmosphäre alles realisiert, was gefällt und entspannt.

 

Dieser Trend, der nun in die Eigenheime Einzug hält, war in der Touristik schon vor längerer Zeit vorweggenommen worden. Immer mehr Hotels haben die Bäder der Zimmer Spa-artig zu den Schlafbereichen hin geöffnet oder führen dies im Rahmen von Modernisierungen und Renovierungen durch. Hotelzimmer, in denen eine schicke Badewanne nur zwei Schritte neben dem Bett steht, sind nicht nur an Sonnenzielen gang und gäbe. Interessanterweise hat die Forschung auch hierzu wieder einen passenden Sonder-Trend ermittelt: Viele Menschen schaffen durch Einrichtung, Wahl des Möbeldesigns, Tapeten und Accessoires auch im Eigenheim ein Stück Hotelästhetik. Zum einen wird hier die besonders praktische Ausstattung kopiert, zum anderen entsteht eine besonders professionell wirkende Verwöhn-Atmosphäre.

 

Die Konzentration auf Erhaltung und Ausgestaltung im Bestand hat deutlich gemacht, dass es derzeit viele Einflussfaktoren gibt, die den Raumbedarf erhöhen – etwa, um Büro und Küche oder Spa und Bad zu kombinieren. Immer öfter wird die Raumnutzung auch durch Einbauten maximiert. Hier orientiert man sich zum Beispiel an den ausgeklügelten Tiny House-Lösungen und überträgt dort angewandte Raumsparideen und Bauweisen auf konventionelle Grundrissgrößen.

 

Wo neu gebaut wird, drückt sich der Wunsch nach mehr Platz der Designforschung zufolge auch in einer veränderten Dacharchitektur aus. Man rechnet damit, dass künftig zugunsten von mehr Raumangebot die Dachneigung immer öfter reduziert wird. Auch auf die Materialwahl für die Eindeckung, auf die Statik und die Belichtungsmöglichkeiten hat das Auswirkungen. Wo das Dach für Gauben zu flach ist, müssen kreative Fensterlösungen gefunden werden. Und last but not least steigt der Bedarf an Wartung und Pflege durch Dach-Profis. Denn je flacher Dächer sind, desto mehr bleibt nach Extremwettern natürlich darauf liegen – von Laub und Ästen bis Hagel und Schnee – und darf nicht zur Belastung werden.

 

Egal, ob die Menschen aufs Wasser ziehen, eine Tiny-House-Kommune gründen oder flächiger bauen, ob sie sich ein Privat-Spa einbauen lassen oder den freiberuflichen Firmensitz in den Garten verlegen – bei allen Maßnahmen fällt auf, dass Maßnahmen und Design ganz auf die emotionale Innen- statt auf die Außenwirkung bei anderen ausgelegt sind. Es gibt kaum noch Interesse an architektonischer bzw. gestalterischer Repräsentation. Vielmehr werden die Eigenarten der Räume zelebriert oder modifiziert, um sie den persönlichen Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner optimal anzupassen und zu ihrem guten Lebensgefühl beizutragen. Niemand baut mehr neu, an oder um, um anzugeben oder andere zu beeindrucken. Seelenbalance statt Status!

 

Unterstrichen werden muss an dieser Stelle, dass zum Wohlbefinden auch das Bewusstsein der Nachhaltigkeit gehört. Ein gutes Gewissen ist für viele Teil des guten Lebensgefühls. Kein Wunder, dass „Greenterior“ ein weiteres wichtiges Trend-Stichwort ist. So umschreibt das Zukunftsinstitut den grünen Interior-Trend, „mehr Natur in die Inneneinrichtung zu bringen“. Einschlägige Experten werden schon bald nicht mehr aus dem Büro- und Firmen-Raumdesign wegzudenken sein. Sie berücksichtigen bei der Ausstattung von Unternehmen und Institutionen auch Aspekte wie Raumgliederung, Raumluftverbesserung, Schallschutz und Farbpsychologie. Der Trend findet seine Fortsetzung im Außenbereich: Gründächer werden sich noch weiter durchsetzen und zu einer Selbstverständlichkeit in Deutschlands Dachlandschaft werden.

 

Bei aller Ausführlichkeit konnte diese Trendschau doch nur die wichtigsten Entwicklungen highlighten und die spannendsten Prognosen zitieren. Eins wurde jedoch sehr deutlich: Die Top-Trends halten viele hoch interessante Aufgaben für Dachdeckerinnen und Dachdecker bereit. Ihr Handwerk gehört ganz sicher zu denen, die die trendigsten Projekte 2023 mitgestalten.