Studienabbrecher? Die Karriereleiter führt aufs Dach!

Immer mehr Schüler besuchen die Schule bis zum Abitur und nehmen ein Studium auf – aber zugleich brechen immer mehr Studenten das Studium ab. Meist schon nach kurzer Zeit, also nach den ersten Semestern. Auf ein Drittel der Studienanfänger beläuft sich die Abbrecherquote inzwischen schon. Interessanterweise gaben bei einer Umfrage drei Viertel der Studienabbrecher an, dass sie sich fürs Berufsleben lieber etwas Handfestes wünschen. Ideale Voraussetzungen, erfolgreich ins Handwerk zu wechseln und zum Beispiel Dachdecker zu werden.

Aus Quereinsteigern werden Senkrechtstarter

Wer diesen Schritt vollzieht, bereut es in der Regel nicht. Wer Betätigungsmöglichkeiten geboten bekommt, in denen er sich mit seinen Bedürfnissen voll und ganz wiederfindet, hat mehr Freude am Beruf und ist außerdem oft besonders erfolgreich.

Schon die Ausbildung macht besonders viel Spaß. Die meisten Studienabbrecher bringen aus Schule und begonnenem Studium nämlich so gute Mathe- und Deutschkenntnisse mit, dass sie sich in der Ausbildung weitgehend aufs Praktische konzentrieren können. Der Wunsch, sich mehr mit Handfestem zu befassen, wird also früh erfüllt. Es gibt wenig Lernstress und viel Motivation.

Die Meisterbetriebe nehmen Studienabbrecher entsprechend gern als Azubis an. „Wer die Entscheidung zu wechseln trifft, ist gescheit, nicht gescheitert“, bringt es ein Meister auf den Punkt. „Theorielastige Ausbildungen bieten Talenten, die nicht nur Köpfchen haben, sondern auch ein Händchen fürs Praktische, einfach nicht genug Raum für die Entwicklung und Selbstverwirklichung. Solche jungen Menschen machen Aufgaben, bei denen das Tun im Vordergrund steht, viel zufriedener. Diese glücklichen Azubis sind gute Azubis – und später tolle Mitarbeiter.“

Studienabbrecher bekämen im Handwerk „eine klare Orientierung – und zwar nach oben“, brachte der ehemalige Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks Otto Kentzler es mal auf den Punkt. Das bestätigen auch die Karrierewege von Ex-Studenten. Übrigens in allen Gewerken. Nicht nur in der Dachdeckerbranche bieten sich tolle Aufstiegsmöglichkeiten. Ein besonders bekanntes Beispiel aus dem Genusshandwerk ist der Hamburger David Görne, der nach drei Semester Jura Paragrafen Paragrafen sein ließ und inzwischen als erster deutscher Sternekoch Frankreichs anderen jungen Wechselwilligen durch sein Vorbild Mut macht.

Probieren geht über Studieren

Damit der Wechsel ins Handwerk zur persönlichen Erfolgsgeschichte wird, gilt es das Gewerk zu finden, das zu einem passt. Dann bleibt man auch mit Freude und Erfolg dabei. Später in der Ausbildung kann man zudem von einigen Vorteilen profitieren – von einer verkürzten Ausbildungsdauer bis hin zu einer frühen Meisterprüfung.

Erste Informationsmöglichkeiten bieten Firmenkontakttage, Infoveranstaltungen, Ausstellungen und Ausbildungs-Messen. Die ideale Möglichkeit für Selbsterkundung, Reinschnuppern und Ausprobieren ist ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb. Wer schon ganz konkret über einen Wechsel nachdenkt, sollte sich unbedingt bereits in diesem Sommersemester umschauen und möglichst nicht erst in der kommenden vorlesungsfreien Zeit ein Praktikum aufnehmen, denn die neuen Ausbildungsjahre beginnen in allen Gewerken traditionell am 1. August.

Um nach abgebrochenem Studium eine gute Wahl zu treffen und eine Handwerksausbildung aufzunehmen, erhält man bei Berufsberatung, Kammern und Innungen umfassende Information und die nötige Unterstützung. In allen Bundesländern gibt es ergänzend Förderprogramme durch Branchenverbände und Wirtschafts-Initiativen, die den Umzug vom Hörsaal ins Handwerk begleiten. Da sie nicht einheitlich organisiert sind und es zusätzlich diverse regionale Angebote gibt, sucht man sich am besten im Internet die passenden Ansprechpartner und Projekte heraus. Außerdem gibt es einige einschlägige Websites, die bei der Entscheidungsfindung und Kursänderung behilflich sind. Und dann geht´s vielleicht schon bald hoch hinaus!