Sportlich, sportlich!

Köpfchen, Kraft und Koordination: Wer Dächer deckt, muss rundum richtig fit sein

Sie bauen nicht nur so manches Dachgeschosszimmer zum privaten Fitnessraum für Trainingsbegeisterte um – sie müssen selbst auch überdurchschnittlich fit sein, um in ihrem Berufsalltag erfolgreich und sicher zu arbeiten: Dachdeckerinnen und Dachdecker gehören zu den Menschen, bei denen der Arbeitsplatz und typische Tätigkeiten tagtäglich erhöhte Anforderungen an Geschicklichkeit und Kraft stellen. Auch wenn die digitale Technik im Dachdeckerhandwerk inzwischen eine recht große Rolle spielt, sucht man bildschirmblasse Nerds mit Mausarmsyndrom in diesem Gewerk vergeblich. Was gehört zu optimaler First-Fitness eigentlich alles dazu?

 

Beweglich sein – nicht nur im Kopf

Wer eine Ausbildung im Bereich Dachdeckerei absolvieren möchte bzw. dort tätig ist, gehört ganz sicher nicht zu den Menschen mit Höhenangst! Schwindelfrei muss man sein, beweglich und eine gute Koordination besitzen. Gute Voraussetzungen bringt mit, wer gern an der frischen Luft ist und in der Freizeit ein sportliches Hobby pflegt. Radsport, Fußball, Volleyball, Schwimmen, Fitnesstraining/Bodybuilding und Kampfsportarten werden am häufigsten als Freizeitaktivitäten genannt.

 

Training als Arbeitsvorbereitung

Im Prinzip werden bei den typischen Tätigkeiten auf dem Dach viele unterschiedliche Muskelgruppen angesprochen und gefordert. Besonders eine gesunde Rückenmuskulatur ist wichtig. Anders als man gemeinhin denken würde, ist die Beanspruchung im Bereich der Lendenwirbelsäule noch etwas höher als die Belastung von Arm- und oberer Rückenmuskulatur, denn viele Arbeiten werden vorgebeugt ausgeführt. Auch die Kniegelenke bekommen auf dem Dach viel zu tun. Sprung- und Hüftgelenke müssen besonders bei Steildacharbeiten ebenfalls Belastungen standhalten.

Gezieltes Training der umgebenden Muskeln kann Gelenkfunktionen unterstützen, die Gelenke entlasten und so helfen, Verschleiß vorzubeugen. Ein wunderbarer Ausgleich für fast alle Gelenke des Körpers ist Schwimmen. Auch Yoga ist ausgezeichnet geeignet und wird ärztlich sogar empfohlen. Die Verbindung von Dehnübungen, Entspannung, kontrollierten Bewegungen und Schulung des Körperbewusstseins beim Yoga bringt nämlich viele Vorteile für die berufliche Leistungsfähigkeit. Und auch die mit den Übungen verbundene seelische Stärkung tut nachhaltig gut.

Sport zu treiben ist natürlich keine Einstellungsvoraussetzung, aber viele Betriebe fördern sportliche Betätigung und unterstützen Vereinsmitgliedschaften. Wenn der Betrieb seine Teammitglieder in einem Club oder einer Sportvereinigung anmeldet, gilt sogar ein Freibetrag. Das ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich vorteilhafter als ein direkter Fitness-Zu­schuss zum Gehalt, denn der muss versteuert werden.

Ergänzend zum individuellen Freizeitsport trifft man sich in einigen Betrieben regelmäßig zu gemeinsamen Fitnessübungen. Lockernde und kräftigende Trainingselemente unter Anleitung, im großen Kreis, gern zu flotter Musik, kombinieren perfekt die körperliche Stärkung mit Stärkung des Teamgeists.

Neben den sportiven Bewegungsübungen gibt es auch Trainingsangebote für die gesundheitsbewusstere Gestaltung der Bewegungsabläufe bei der Arbeit. Die Unternehmen können dafür auf betriebliche Gesundheit spezialisierte Trainer engagieren. Nicht selten vermitteln sie übrigens Regeln aus dem Kraftsport, die in den Arbeitsalltag übernommen werden können. Zum Beispiel, wenn es um die Bewegung schwerer Lasten geht. Wie Langhanteln hebt man sie am besten körpernah an, so dass die Kraft aus den Beinen und nicht aus dem Rücken kommt. Zusätzlich zu Trainingsangeboten und Bewegungsschulungen kann im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung außerdem auch noch Physiotherapie, etwa in Form von Massagen, zum Programm gehören.

 

Auch lecker hält locker: gesunde Ernährung

Das klassische Baustellenfrühstück mit „Maurermarmelade“, sprich Schweinemett mit reichlich Zwiebeln, die beliebte Leberkäs-Semmel, üppige Schrippen und dick belegte Stullen gibt es zwar noch, und sie sollen auch ihre Berechtigung behalten. Aber heutzutage ergänzt zum Glück auch Vitaminreicheres die Pausenmahlzeiten am Arbeitsplatz. Es ist cool geworden, sich statt schwerer Kost Gutes und Gesundes zu gönnen. Entsprechend finden sich immer häufiger Alternativen in den Frühstücksboxen. Müsli, Quark und Joghurt mit frischen Früchten, Salate und Obst ergänzen die Kohlenhydrat-Klassiker. Auch süße Snacks mit reichlich Zucker und Schokolade sind nicht mehr so angesagt. Man ersetzt sie lieber durch frische Früchte, Protein-, Nuss- und Müsliriegel oder andere Vollkornsnacks.

Während der Arbeit das Richtige zu essen und – falls überhaupt – gesünder zu naschen, hält nämlich den Blutzuckerspiegel besser im Lot. Das schont nicht nur die Bauchspeicheldrüse, sondern verhindert auch Müdigkeit und Leistungstiefs, wie sie einige Zeit nach dem Verzehr von stark zuckerhaltigen Lebensmitteln auftreten.

Die Betriebe machen hier mit und fördern aktiv das bessere Ernährungsverhalten. Fast überall gibt es in den Pausenräumen der Firmen Obstteller, aus denen man sich nach Herzenslust bedienen kann. Auch bei der Getränkeauswahl wird auf gesunde Durstlöscher Wert gelegt. Denn fast noch wichtiger als die ausgewogene Ernährung ist der regelmäßige Flüssigkeitsausgleich. Wer körperlich hart arbeitet, muss viel trinken, und es sollte keine süße Limo oder überzuckerter Fertigkakao sein. Wasser ohne oder mit wenig Kohlensäure ist ideal, leichte Fruchtschorles, ungezuckerte und isotonische Getränke eignen sich ebenfalls. Auch Tee (im Sommer gern gekühlt) und Kaffee sind besser als ihr Ruf. Dass Kaffee dem Körper Flüssigkeit entzieht, ist nämlich wissenschaftlich widerlegt.

 

Kompromisslos und konsequent: Sicherheit garantiert Gesundheit

Die Dachdeckerei ist mit besonderen Risiken verbunden. Man arbeitet in großen Höhen, von schadhaften Stellen gehen Einbruch- und Sturzrisiken aus, und auch beim Transport von Baumaterialien und beim Hantieren mit scharfen oder schweren Werkzeugen drohen Gefahren. Ständiges Sicherheitsbewusstsein und die Einhaltung aller Regeln sind absolut unverzichtbar, damit alle im Team heil und gesund bleiben.

Bei den 100 TOP-Betrieben nimmt man es sehr, sehr genau mit der Arbeitgeber-Verantwortung und den entsprechenden Schulungen. Wobei zu sicherheitsbewusster Arbeitsplatzgestaltung durchaus nicht nur gehört, dass Technik und Werkzeuge perfekt gewartet sind, dass Hebehilfen zur Verfügung stehen und selbstverständlich immer Sicherheitsgeschirre angelegt werden, wenn die Situation dies erfordert. Auch die Details der persönlichen Ausstattung sind wichtig: Fingerschutz durch Arbeitshandschuhe, Kälteschutz durch isolierende Kleidungsstücke, Benutzung von Ohrenschützern, wo Maschinenlärm entsteht, Schutzbrillen für Arbeiten mit splitternden Materialien, Atemmasken bei der Sanierung belasteter oder befallener Dachstühle, Helmpflicht… Selbst an Hautschutz ist gedacht. Da man bei Arbeiten auf dem Dach der Sonne besonders ausgesetzt ist, aber natürlich keine Kosmetikprodukte gebrauchen kann, die in die Augen laufen, wenn man schwitzt, gibt es speziell geeignete Sonnenschutzcremes für den beruflichen Einsatz. In manchen Firmen sogar im Corporate Design des Unternehmens!

 

Auch an die Seelen-Fitness wird gedacht

Der berühmte alte Spruch von Juvenal ist heute aktueller denn je: „Es ist zu wünschen, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnt.“ Pfarrer Kneipp mahnte Ähnliches an: „Vergesst mir die Seele nicht!“, und meinte dies nicht nur theologisch, sondern kannte auch die psychologischen Aspekte. Ja, auch für die Psyche muss etwas getan werden. Fürs Innehalten und Abschalten, Ruhe und Erholung, ausgleichende Hobbys und seelische Streicheleinheiten ist man zwar selbst zuständig, das fällt hauptsächlich in die Freizeit und das Private. Aber ebenso ist das Wohlfühlen im beruflichen Miteinander unverzichtbarer Teil des guten Befindens. Die Experten sprechen von der psychosozialen Dimension der Gesundheit im Berufsumfeld. Umgangssprachlich: das prima Betriebsklima.

Hier kommen Aspekte wie Führungsstil, gute Kommunikation und Motivation ins Spiel. Neben der fachlichen Qualifikation, die in regelmäßiger Ausbildung in Führung und Team-Techniken vermittelt und weiter entwickelt wird, tragen die Chefs der 100 TOP-Mitgliedsbetriebe mit vielen eigenen Ideen dazu bei, dass es dem Menschen in ihren Teams auch innerlich gut geht. „Ganz wichtig ist da eine wortwörtlich gesunde Mischung aus Anerkennung, häufigen freundlichen Gesten und gelegentlichen Festen“, resümiert eine Führungskraft ihre Erfolgsformel. „Bei uns zu arbeiten soll zufrieden machen, soll Freude bringen. Die Schlüssel dazu sind Vertrauen und Wertschätzung.“