So wird der Sommer wortwörtlich himmlisch:

Dachterrassen werten Flachdächer auf

Warum ziehen uns eigentlich die typischen ländlichen Häuser auf Ibiza, Lanzarote, den griechischen Inseln so sehr in ihren Bann? Was fasziniert uns am ansonsten doch eher „coolen“ Baustil der Moderne? Was macht ausgerechnet kubische, schlichte Bauten so anheimelnd? Es sind die klaren Linien an, die sympathisch schlichten Fassaden. Von so viel Schlichtheit und Schnörkellosigkeit geht Ruhe aus. Aber mindestens ebenso begeistert uns die reizvolle Ästhetik und Vielseitigkeit der Flachdächer: tagsüber wohnlich, nachts ein stiller Rückzugsort unterm Sternenhimmel.

Auch bei uns bringt jetzt der Sommer das ganze Spektrum der Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten von Flachdächern voll zur Entfaltung. Hier leuchtet ein Sonnenschirm vom Dach, da rankt dichtes Grün, dort hört man abends einen Springbrunnen plätschern, irgendwo steigen Grilldüfte auf… Flachdächer können nämlich unglaublich abwechslungsreich sein. Zugleich super praktisch und herrlich wohnlich, und immer wunderschön! Inzwischen entdecken deshalb kreative Architekten ihr Potential wieder. Kurzum: Flachdächer sind im Trend.

Königlicher Komfort

Wussten Sie, dass die berühmten hängenden Gärten der Semiramis eine kaskadenförmige Konstruktion aus begrünten Dachterrassen waren? Solche abgestuften Bauformen sind – übertragen auf die bescheideneren Dimensionen von Ein- oder Mehrfamilienhäusern – auch heute noch sehr en vogue. Im Inneren entspricht den Dach-Stufungen oft eine Split-Level-Bauweise, die raffiniert mit dem Lichteinfall, mit Ebenen, unterschiedlichen Raumhöhen und Zonen spielt und sogar Raumverlust durch Flurflächen minimiert. Das Ergebnis bietet ein einmaliges und sehr abwechslungsreiches Wohnerlebnis.

Und zum Glück muss man auch keine Königin Semiramis sein, um sich besondere Annehmlichkeiten draußen auf den Dachflächen leisten zu können. Viele scheinbar luxuriöse Ausstattungen, zum Beispiel eine fest eingebaute Lounge-Ecke, eine Schatten spendende Pergola oder eine Fitnesszone mit Dusche sind in der Anschaffung absolut erschwinglich. Fragen Sie Ihren Dachdeckermeister! Er wird Ihnen tolle Vorschläge machen. Denn viele Betriebe bieten auch solche Aufbauten, Gründächer und Dachterrassen mit an.

Auch das Element Wasser auf dem Dach vermittelt ein Gefühl von Luxus. Es muss ja nicht gleich ein großer Dach-Swimmingpool sein. Ein kleiner Springbrunnen, ein kleines Becken oder ein fertiger Außen-Whirlpool sorgen schon sehr effektvoll für erfrischendes Wellness-Feeling und kosten deutlich weniger als ein Familienurlaub.

Manche Kult-Einrichtungsgegenstände für die Dachterrasse gibt es sogar „to go“ im Garten-Discount und im Versand. Favoriten sind überdachte Sitzbänke und herrlich komfortable große Daybeds, die je nach Modell mit einem Verdeck oder Betthimmel erhältlich sind.

Die wichtigste Investition ist die in die Statik des Flachdachs. Deshalb ist es gut, die Nutzung frühzeitig zu planen, damit sie baustatisch berücksichtigt werden kann – auch wenn man sich die gewünschten Extras erst später gönnen kann oder möchte. Denn soll das Dach nicht nur das Gebäude abdecken, sondern auch anderweitig genutzt werden, steigen die Ansprüche an die technische Ausführung. Und Nachrüsten ist immer deutlich teurer als vorausschauende Vorbereitung.

Will man sein Dach nur begrünen, aber nicht bewohnen, reicht je nach gewünschtem System eine Belastbarkeit von 60 bis 150 Kilo pro Quadratmeter Dachfläche. Anders sieht es aus, wenn eine Terrasse oder ein regelrechter Dachgarten eingerichtet werden soll, der mit größeren Pflanzen bestückt, möbliert und intensiv genutzt wird. Dann kann durchaus auch mal eine Belastbarkeit von bis zu 500 Kilo pro Quadratmeter erforderlich sein. Der Aufwand lohnt sich: Ein solch starkes Dach lässt sich wirklich wie ein ebenerdiger Garten gestalten und auch so einrichten, sogar mit Parkbänken und Teich.

Dachterrassen sind und bleiben freilich die großen Favoriten bei der Gestaltung. Sie begeistern durch ihre exponierte Lage mit oft sehr weitem Blick. Sie sind höchstens noch von höheren Gebäuden einsehbar (dann empfiehlt sich als Sichtschutz ein Sonnensegel). Zudem bieten sie in der Regel deutlich mehr Platz als Balkone oder Gartenterrassen, und dank des großzügigen Platzangebots lassen sie sich mit allerlei Annehmlichkeiten ausstatten. Aktuell absolut angesagt ist die Schaffung von verschiedenen Zonen, so dass eine regelrechte Dachterrassenwohnung entsteht. Sie erhält dann zum Beispiel eine „Außenküche“ mit Grillstation und Essplatz, einen Relaxbereich zum Sonnen und Entspannen sowie eine Aktiv-Sektion mit Sport- oder Spielgeräten.

Bereits zu den altbabylonischen Zeiten der Semiramis stellte freilich die Herstellung solch eines hoch funktionalen, dichten, stabilen und attraktiv terrassierten Dachs hohe Anforderungen an die Handwerkskunst der Dachdecker. Schon vor 5000 Jahren verarbeitete man dafür als Abdichtungsmaterial unter anderem Bitumen. Es ist je nach Einsatzzweck bis heute neben Kunststoffen in Form von Bitumen-Schweißbahnen sowie flüssig in Verwendung.

Wobei die Herstellung eines dichten Flachdachs damit beginnt, dass es in der Regel nicht einfach flach als „Nullgraddach“ konstruiert wird, sondern eine minimale Neigung erhält, um Niederschläge abzuleiten. Weil Wasser trotzdem nicht so leicht abläuft wie bei Steildächern, muss die Abdichtung fugenlos und überall zuverlässig undurchlässig sein. Das handwerkliche Können der Dachdecker ist unverzichtbar und die einzige verlässliche Garantie dafür, dass es später im Inneren des Gebäudes immer schön trocken bleibt.

Obendrauf cool, darunter kühl

Auch weiteren Belastungen muss das Flachdach problemlos standhalten – an heißen Sommertagen können auf einer Dachoberfläche nämlich extreme Temperaturen bis nahe am Siedepunkt entstehen, während sie in der kalten Jahreszeit, Hagel, Schneelast und Frost standzuhalten hat. All das handwerklich abzuwettern erfordert spezielles Know-how und versierte, sehr gewissenhafte Ausführung.

Mit der Hitzeentwicklung im Sommer hat es übrigens nichts zu tun, dass man beim Flachdachbau zwischen Warm- und Kaltdächern unterscheidet. Als Kaltdach bezeichnet man ein aus zwei Schalen bestehendes belüftetes Dach. Durch die Hinterlüftung zirkuliert Luft und transportiert aus dem Inneren des Hauses stammende Feuchtigkeit hinaus. Das Prinzip ist altbewährt, kommt heute aber hauptsächlich im Steildachbau zur Anwendung. Das Warmdach ist dagegen einschalig konstruiert. Das heißt: Alle Materialschichten sind direkt auf die tragende Decke aufgebracht. Diese Bauweise ist heute bei Flachdächern weiter verbreitet, denn inzwischen gibt es hervorragende Materialien für die raumseitige Dampfbremse und einen optimalen Feuchteverlauf. Dank modernster Dämm-Materialien bleiben die Räume unter einem handwerklich erstklassig ausgeführten „warmen“ Flachdach auch im Hochsommer angenehm temperiert, und es ist kühler als draußen. Wenn man denn überhaupt Lust hat, sich von der schönen Dachterrasse ins Hausinnere zurückzuziehen…