Schöner Schiefer

Glänzendes Comeback für den sanft schimmernden Traditions-Dachbaustoff

„Ein wirklich schönes Haus sieht von oben dunkel aus“, sagt man an der Mosel. Denn das edle natürliche Urgestein, der berühmte blaugraue Moselschiefer, prägt hier von den Weinbauregionen bis in die Eifelhöhen hinauf überall Architektur und Landschaftsbild mit seinem einzigartigen Farbspiel und lebendigen Oberflächenstrukturen. Als langlebiges, nachhaltiges und ebenso beständiges wie leicht zu pflegendes Bedachungs­material ist er auch in anderen Regionen ausgesprochen beliebt. Derzeit erlebt er sogar gerade eine regelrechte Renaissance. Dies nicht nur dank seiner vorteilhaften Eigenschaften, sondern auch wegen der besonderen Optik und der Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten. So harmoniert Schiefer beispielsweise ausgezeichnet mit dem ebenfalls als Trend-Baustoff wieder entdeckten Holz, etwa in Kombination mit hellen Holzfassaden. Ebenso überzeugt das Traditionsmaterial als effektvoller Kontrast zu modernen geradlinigen Stahlstrukturen und großen Glasflächen.

Besonders lebendig kommt Schiefer zur Geltung, wenn bei der handwerklichen Verarbeitung überlieferte Verfahren angewendet werden. Die sogenannte „Wilde Deckung“ verarbeitet die Schiefersteine beispielsweise mit kunsthandwerklicher Einfühlung in Charakter und Form jedes einzelnen Steins. Stück für Stück wird alles erst auf dem Dach zugerichtet und maßgenau zusammengefügt. Auf diese Weise ein ebenso ausgewogenes wie ausgefallenes Gesamt-Deckbild zu schaffen, ist eine Leistung höchster Dachdecker-Handwerkskunst!

Die ebenfalls traditionsreiche „Altdeutsche Deckung“ imponiert durch ihren raffinierten Aufbau: Die Steinformate reduzieren sich von der Traufe zum First hin und lassen das Dach größer wirken.

Solche sehr natürlich und ursprünglich wirkenden Deckungen spielen vor allem in der historisch korrekten Sanierung von Denkmälern eine wichtige Rolle, können aber gelegentlich auch neu entworfenen Gebäuden eine unverwechselbare Ästhetik verleihen.

Gerader Schiefer: sehr im Trend!

Trendige zeitgenössische Alternative ist die „Dynamische Deckung“, die unter Betonung der Horizontalen unterschiedlich hohe Schieferstein-Gebindereihen kombiniert und so ein charaktervolles, ungewöhnlich lebhaftes Deckbild entstehen lässt. Sie kommt bevorzugt in der Fassadengestaltung zum Einsatz.

Im Zusammenspiel mit den typischen klaren Linien zeitgenössischer Architektur sind außerdem oft auch streng regelmäßige Anmutungen gefragt, zum Beispiel als „Rechteckige Deckung“. Sie sind ebenfalls ausgesprochen stil- und wirkungsvoll. Können gleich große Schiefersteine aus Serienfertigung verarbeitet werden, wirkt sich dies zudem auch günstig auf die Kosten aus.

Ein weiterer Vorteil: Schiefer ist nicht nur ein ideales Bedachungsmaterial, sondern eignet sich, wie schon erwähnt, ebenso ganz hervorragend für Fassadenbekleidungen. Das Stil-Spektrum reicht von urwüchsiger Anmutung bis hin zu klar gegliederter Strenge. Schiefer kann den unterschiedlichsten gestalterischen Konzepten Ausdruck verleihen.

Beständig und nachhaltig

Ein großer Teil der in Deutschland verbauten Schiefersteine stammt aus einheimischen Steinbrüchen. Hinzu kommen Importe, hauptsächlich aus europäischen Ländern, vor allem aus Spanien und Frankreich. Dass Schiefer nicht mit Bindemitteln verarbeitet und energieaufwändig gebrannt werden muss, macht ihn zu einem ökologisch besonders sinnvollen Material. Zudem hält Schiefer sehr lang, oft viele Generationen. Mit mindestens etwa 100 Jahren setzt man die Lebensdauer an, aber es gibt an historischen Gebäuden auch deutlich ältere Schieferdächer. Muss ein altes Schieferdach ersetzt werden, lässt sich das natürliche Material zerkleinert vollständig in anderer Form weiter nutzen. Schiefermehl und Schiefersplitt sind beispielsweise begehrte Zusatzstoffe für die Verbesserung von Gartenerde.

Auch wenn für Gewinnung, Zuschnitt und Transport Energie eingesetzt werden muss, bietet Schiefer insgesamt eine erfreuliche Ökobilanz. Seine vielen guten Eigenschaften machen das Traditionsmaterial zu einem Zukunfts-Favoriten! Kein Wunder, dass der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e.V. Schiefer jetzt zum Gestein des Jahres 2019 gekürt hat.