Schön und gut:

Die Qualität von Handwerks- und Gestaltungsleistungen beurteilen

 

Dass etwas gut gedacht und gut gemacht ist, erkennt man nicht nur daran, dass es am Schluss gut aussieht und den gewünschten Zweck vollständig erfüllt. Es gibt auch noch einige weitere Merkmale handwerklicher und gestalterischer Qualität. Und so manches kann man schon im Vorfeld überlegen, um gleich die richtige Wahl zu treffen.

Am besten fassen Sie die Aspekte, die Ihnen wichtig sind, in einer kleinen Checkliste zusammen. Statt sich mit unübersichtlicher „Zettelwirtschaft“ zu plagen, kann man sie digital auf dem Handy anlegen und dafür zum Beispiel einfach seine To-Do-App nutzen. Sie müssen darin natürlich nicht alles berücksichtigen, was in diesem Artikel aufgeführt ist. Tragen Sie nur ein, was Sie als relevant für Ihr Projekt erachten.

 

Trau, schau wem

Der allgemeine Handwerkermangel und die besonders hohe Nachfrage nach Handwerksleistungen speziell im Bausektor haben dazu geführt, dass es immer schwieriger geworden ist, zeitnah einen Fachbetrieb für sein Projekt zu finden. Lassen Sie sich dennoch nicht von den Rahmenbedingungen unter Druck setzen und zu Kompromissen nötigen, das bereut man später. Allrounder können tüchtig sein und sind für einige Arbeiten sicher die perfekte Besetzung. Doch andererseits beherrschen sie naturgemäß von vielem etwas und keine Disziplin ganz. Fachlich anspruchsvolle, komplexe Aufgabenstellungen ab einer gewissen Größenordnung sind daher nicht mehr ihr Metier. Erst recht ist Vorsicht bei ambulanten Anbietern geboten. Zeigt sich ein Fehler, für dessen Behebung das ausführende Unternehmen haften müsste, sind diese in der Regel längst weiter gezogen. Sprechen Sie nur Meisterbetriebe an, die die nötige einschlägige Qualifikation im jeweiligen Gewerk vorweisen können und eine feste Betriebsstätte haben. Nehmen Sie notfalls lieber Wartezeiten in Kauf als Minderleistungen und entsprechende Folgekosten zu riskieren.

 

„Keine Zeit“? Keine Empfehlung!

Einen verlässlichen Betrieb erkennen Sie unter anderem daran, dass man auch in Stoßzeiten Ihre Anfrage ernst nimmt und Sie nicht knapp abfertigt, eilig oder gar genervt abwimmelt. Höfliche Absagen, eventuell die Bitte um erneute Anfrage zu einem möglichst schon konkret genannten späteren Zeitpunkt oder langfristige Terminvorschläge, die dann pünktlich eingehalten werden, sprechen für Servicequalität und Organisiertheit.

Aber vielleicht haben Sie ja auch Glück, und für Ihr Anliegen kann zeitnah Kapazität zur Verfügung gestellt werden. Besonders positiv ist dann zu vermerken, wenn es auch einen schnellen persönlichen Kontakt gibt. Idealerweise in Form eines Gesprächs mit einer Führungskraft mit Begehung Ihres Objekts, bei dem bereits die Eckdaten der Aufgabe und Ihre Wünsche erfasst werden. Bei größeren Vorhaben sind danach selbstverständlich noch Folgetermine notwendig.

 

„Wie hätten Sie´s denn gern?“

Designkompetenz-Alarm ist angesagt, wenn man im Gespräch über Ihr Projekt Ihnen quasi die Verantwortung für die Gestaltung zuschiebt. Kompetente, kundenorientierte Handwerksbetriebe entwickeln eigenständig konzeptionell schlüssige Vorschläge und wälzen Ideenfindung und Problemlösung nicht auf die Auftraggeberseite ab. Ebenso führen sie nicht kritiklos einfach alles aus, was den Bauherrinnen und Bauherren vorschwebt, sondern wägen Vor- und Nachteile ab und geben fachliche Empfehlungen. Das kann beispielsweise technische Aspekte betreffen oder die Kosten. Zu gediegener Beratung gehört Problembewusstsein – selbst in der Form, dass auch mal von der Erfüllung eines Kundenwunsches abgeraten wird.

 

Berechnungen, auf die man zählen kann

Angebote oder Kostenvoranschläge zu erstellen kostet sehr viel Zeit. Nicht selten bedeuten sie für die Chefinnen und Chefs Feierabendschichten. Wundern Sie sich also nicht, wenn solch ein Dokument nicht gleich am Tag nach der Besprechung im Briefkasten steckt. Von einer Kalkulation, die unter Umständen mit der heißen Nadel gestrickt oder nicht wirklich individuell durchdacht wurde, profitieren Sie nicht.

Qualitätvolle, fundierte Voranschläge und Angebote zeichnen sich dadurch aus, dass sie Materialaufwand und Leistungen präzise aufführen und nicht nur pauschal einen Endpreis nennen. Je nach Aufgabe sollten eventuelle Ausführungs-Alternativen aufgeführt sein. Etwa wenn die Wahl zwischen verschiedenen Baumaterialien besteht, für die zudem unterschiedlich hoher Verarbeitungsaufwand zu berücksichtigen ist.

Ein wichtiges Qualitätskriterium ist auch, dass nicht die teuerste, sondern die für den Kunden beste Lösung angestrebt wird. Echte Kundenorientierung geht vom Möglichen und Machbaren aus und nicht von den Maßnahmen, an denen die Firma am meisten verdient. Ein weiteres Plus ist die durchdachte, nachvollziehbare Begründung von Ratschlägen, Gestaltungsentscheidungen und Empfehlungen. „Das wollen jetzt alle“, „das wird gern genommen“, „sieht irgendwie schicker aus“ – solche Formulierungen gehören nicht dazu. Wenn sich jemand auf den Mainstream beruft, sind keine individuellen Ergebnisse zu erwarten.

 

Mit gutem Beispiel voran…

Nicht alle Betriebe haben eine Website, auf der sie umfangreich ihre Referenzobjekte vorstellen. Doch dann sollte man Ihnen auf andere Weise Beispiele bisher geleisteter Arbeiten präsentieren können, entweder in Form einer Fotomappe im Betrieb oder indem man Ihnen Häuser und sonstige Bauten in der Nähe benennt.

Achten Sie bei der Betrachtung der Referenzen darauf, ob sie gestalterisch überzeugen: Passt das Dach zum Haus? Passt es ins Umfeld? Wurde ein harmonisches Gesamtergebnis erzielt? Wertet das Dach das Gebäude in Optik und Funktion auf? Löst das Dach eventuell sogar ein Problem, und wenn ja, wie? Sind interessante Extras wie Solartechnik, Gauben, attraktive Überstände, Verzierungen vorhanden, die auch für Ihr Objekt in Frage kommen? Wie gut integrieren sich solche Extras – fügen sie sich organisch ins Gesamtbild ein oder wirken sie wie Fremdkörper? Sind Bauten am oder rund ums Haus, etwa Carport, Garage, Lauben, Terrassen, stimmig mit einbezogen? Hat man den Eindruck, dass das Ensemble Wohn- und Lebensqualität bietet?

 

Saubere Arbeit!

Natürlich erkennt man einen guten Handwerksbetrieb auch daran, dass die Baustelle nicht chaotisch und vermüllt aussieht, dass es die nötigen Absicherungen gibt, dass bei Bedarf Helme und Handschuhe getragen werden und das Baumaterial nicht herumfliegt, sondern geordnet für die Verarbeitung bereitliegt. Ob in dieser Hinsicht Ord­nung herrscht, sieht auch der Laie sofort. Also schauen Sie auch einfach mal bei einer Baustelle vorbei, auf der Ihr Wunschbetrieb gerade tätig ist.

Schwieriger wird es, eine handwerklich saubere Ausführung am fertigen Objekt näher zu beurteilen. Hier fehlt den meisten dann doch die Sachkunde, und von unten kann man sowieso nicht erkennen, wie makellos die Eindeckung tatsächlich ist und ob sie Stürmen standhalten wird.

Aber den einen oder anderen praktischen „Trick“ gibt es schon. Wie bei der Bekleidung sind nämlich auch bei der Umkleidung des Hauses Passform, Symmetrie, Nähte und Abschlüsse wichtige Qualitätskriterien. Schauen Sie also auf die Proportionen. Achten Sie darauf, wie gleichmäßig das Deckbild ist und ob zum Beispiel nebeneinander liegende Gauben sich ähneln wie ein Ärmel dem anderen. Werfen Sie einen näheren Blick auf die Dachkanten, ob diese gut „versäubert“ sind, ob Durchdringungen (Schornsteine, Dachflächenfenster usw.) sauber eingefasst sowie Anschlüsse und Verbindungen, beispielsweise zwischen Dachflächen und Gauben, sorgfältig ausgeführt aussehen. Solche Qualitätsmerkmale kann man auch ohne den geschulten Expertenblick einigermaßen sicher abschätzen.

 

Auf den Preis und auf Preise achten

Die goldene Regel „Qualität hat ihren Preis“ gilt auch im Handwerk. Daher sollten Sie misstrauisch sein, wenn irgendwo für Handwerksleistungen mit Rabatten, Schnäppchen- oder Dumpingpreisen geworben wird. Entscheidend ist nämlich letztlich das Preis-Leistungs-Verhältnis, und in der Regel erhält man für kleines Geld auch nur geringes Ausführungsniveau. Doch wie erkennt man die Angemessenheit von Angeboten und Kostenvoranschlägen? Das ist zum Glück gar nicht so schwierig. Welche Sätze für Meister- und Gesellenstunden ortsüblich sind, können Sie im Internet mit ein, zwei Klicks schon im Voraus ermitteln und haben so einen guten Bezugsrahmen für Kalkulationen, die man Ihnen vorlegt.

Planvoll handelnde Betriebe haben meist einen realistischen Überblick über den erwartbaren Aufwand und werden in ihrer Kalkulation einen eher geringen zusätzlichen Stundenanteil „zum Nachweis“ aufführen. Wenn ein Angebot überraschend wenige Arbeitsstunden fest einkalkuliert und einen Großteil der Arbeitsleistung ohne Zeitlimit für die Abrechnung nach Stundenaufwand vorsieht, ist hingegen Skepsis geboten.

Ebenso wichtig wie der Preis können auch Preise sein, die der Betrieb sich verdient hat. Auszeichnungen und Qualitätssiegel bescheinigen Ihnen als Auftraggeberin oder Auftraggeber, dass Sie eine gute Wahl treffen und ein Unternehmen beauftragen, auf dessen Kompetenz Verlass ist. Zu den bekanntesten Garanten für gute Arbeit gehören QM-Zertifikate nach den DIN/EN ISO-Normen, Qualitätssiegel der Handwerkskammern, mehrere „Meisterhaft“-Sterne (es gibt bis zu 5) sowie natürlich die Mitgliedschaft in der 100 TOP-Dachdecker Deutschland-Kooperation mit ihren besonders hohen Standards und dem branchenweit einmaligen eigenen Qualitätsmanagementsystem FIRST.

 

Fazit: fachliche Faustregeln

Zum guten Schluss noch eine kleine Zusammenfassung der Ausführungen in diesem Blog-Beitrag. Im Wesentlichen machen sieben Aspekte gute Gestaltung und Ausführung aus, die Sie besonders berücksichtigen sollten:

 

  • Die Leistung oder Lösung ist nutzen- und zweckgerecht, erfüllt alle Anforderungen an die erforderliche Funktion des Gebäudeteils.
  • Das Gebaute ist nutzergerecht, Bedarf und Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner wird entsprochen.
  • Die Arbeiten sind kreativ und überzeugen – wo nötig – durch innovative Problemlösungen.
  • Die Ausführung ist handwerklich kunstgerecht.
  • Sie ist darüber hinaus stilgerecht, schafft ein harmonisches Erscheinungsbild, das zu Gebäude, Zeit und Landschaft passt.
  • Die Handwerksleistung ist zukunfts- und umweltgerecht durch Nachhaltigkeit in Konzeption und Material.
  • Die Handwerksqualität bringt ein Ergebnis hervor, das den Nutzwert sichert, den Wohnwert steigert und auch einen wirtschaftlichen Wert schafft.