Mit Farbpracht bedacht…

Bunte Dacheindeckungen – was ist Trend, was ist erlaubt?

Wir alle kennen den lustigen Loriot-Sketch mit dem Ehepaar Blöhmann bei der Eheberaterin. Auf die Frage nach der Lieblingsfarbe antwortet Herr Blöhmann zögerlich: „Grau … aber nicht sooo grau … mehr Grüngrau … ins Bräunliche. Eine Art Braungrau … mit Grün … ein Braungrüngrau … Es schadet auch nichts, wenn es ein bisschen ins Bläuliche hinüberspielt, Hauptsache, es ist Grau… Braungrau … Etwas Rot könnte auch anklingen … Ein Braunrot … im Ganzen Grau … Also: ein grünlich-blaues … Rot-Braun-Grau.“ Tja, meist sind das hierzulande auch genau die typischen Steildach-Farben: Rottöne, Brauntöne, Grau.

Aber welche wunderbaren Nuancen es allein in diesem Spektrum gibt – Herr Blöhmann wäre entzückt! Nehmen wir allein die Rottöne: Je nach Material sind die unterschiedlichsten Nuancen möglich. Und nicht nur eine monochrome, sondern auch eine changierende bzw. geflammte Optik.

Tondachziegel haben häufit einen eher hellen, leicht orange getönten Eigenfarbton, der im Laufe der Zeit altert und dann eine sehr schöne dunklere Färbung annimmt. Es gibt aber auch engobierte, also mit einem eingefärbten Überzug versehene Tonziegel. Dann ist ein breiteres Farbspektrum möglich. Neben Rot- sind auch Grautöne verbreitet. Tonziegel sind ein traditioneller Baustoff, ein Klassiker. Durhc den Brennvorgang ist es recht energieaufwändig, sie herzustellen. Und auch in der Schalldämmung schneiden sie etwas weniger gut ab als Dachsteine aus Beton. Aber für Ausstrahlung und Charme des Materials nehmen das viele Hausbesitzer gerne in Kauf.

Beton-Dachsteine sind günstiger. Sie gelten dank energiesparender Herstellmöglichkeiten als umweltfreundlicher, und sie sind auch in sehr ungewöhnlichen Farben erhältlich. Neben Rot- Grau- und Brauntönen sind das zum Beispiel Blau, Violett, Grün und Kupfer. Längst ist das Material so ausgereift, dass es optisch wie physikalisch rundum begeistert. Sowohl Beton wie Ziegel sind in matten und glänzenden Ausführungen verfügbar.

Einige Bedachungsmaterialien gibt es nur im ursprünglichen Naturton. Dazu gehört Schiefer, in einigen Regionen Deutschlands der Favorit – auch für Fassaden. Kupferdächer sind edel und teuer und kommen heutzutage vorwiegend auf historischen Gebäuden vor (wobei in jüngster Zeit auch die ganz moderne Architektur die Vorzüge und Ästhetik von Kupfer wieder entdeckt). Das Metall überzieht sich nach und nach mit einer feinen resedagrünen Patina von unverwechselbarer Schönheit.

Überhaupt ist Metall wieder sehr angesagt. Das liegt zum einen daran, dass es einzigartige Gestaltungseffekte ermöglicht. Zum anderen gehört zu den Vorzügen eines Metalldachs, dass es fast wartungsfrei ist. Die gewellten oder anderweitig vorgeformten Qualitäten, die im Look Schiefer- oder Ziegeldächer imitieren, kommen hauptsächlich im gewerblichen Bau zum Einsatz. Für Wohngebäude bevorzugt man zumeist Metalldächer aus Zink. Der sanfte, matte Grauton und die typischen Linien wirken klar und edel. Da Metall sich sehr flexibel formen lässt, ist es natürlich auch perfekt für halbrunde Tonnendächer, etwa auf Gauben. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit bei Modernisierung, Sanierung und Ausbau von Dachgeschossen. Besonders großstädtische Wohngebäude können damit sehr aufgewertet werden.

Alles so schön bunt hier!?

Bei Ziegeln und Dachsteinen ist derzeit ein Trend zu glänzenden Oberflächen zu verzeichnen. Hin und wieder sieht man Dächer, die ausgesprochen farbenfroh leuchten. Dass Bauherren ihrer Phantasie freien Lauf lassen dürfen, ist aber nicht die Regel. Zumeist kann man die Farbe nicht so ganz frei wählen. Häufig schreiben die Gemeinden die Materialwahl und die Einhaltung eines gewissen „ortsüblichen“ Farbspektrums vor. Siedlungen und Stadtteile sollen ein einheitliches Erscheinungsbild haben und behalten. Besonders oft werden Rottöne vorgegeben. Das liegt daran, dass dies die traditionellsten Farben für Eindeckungen sind, weil es früher technisch einfach gar nicht die Möglichkeiten gab, lebhaftere Farben aufs Dach zu bringen. Auch glänzende Glasierungen sind nicht überall erlaubt.

Also alles immer weiter so wie früher? Wenn man die einschlägigen Vorschriften in den Bebauungsplänen liest, kann man sich als Bauherrin oder Bauherr da schon ziemlich eingeschränkt fühlen. Aber so schlimm ist es in der Realität dann zum Glück doch nicht. Der Spielraum ist größer als man denkt. Ist zum Beispiel Rot vorgeschrieben, muss dies nicht Ziegel- oder Karmesinrot sein. Unter Umständen sind zum Beispiel auch ein Braunrot, ein Kastanien-, Maulbeer-, Zimt- oder Rosenholzton statthaft – also Farben, die ins Violette oder Braune gehen.

Ihr 100 TOP-Dachdecker kennt die örtlichen Vorschriften und unterstützt Sie auch gern durch Bereitstellung von Mustern. Es kann nämlich ganz praktisch sein, im Zweifelsfall die geplante Dachfarbe im Antrag bei der Behörde nicht nur durch eine Farbton-Angabe zu beschreiben, sondern ein Muster vorzulegen. Keine gute Idee ist, sich über Vorschriften hinweg zu setzen und das Dach einfach so in einer x-beliebigen ungewöhnlichen Lieblingsfarbe eindecken zu lassen. Dann kann es nämlich passieren, dass die Behörden einschreiten und das Dach umgedeckt werden muss. Fragen Sie also nach – und hören Sie auf den guten Rat des Fachmanns.