Meister statt Master

Erfolgschancen im Handwerk für Abiturienten und Studienaussteiger

Längst nicht alle Abiturientinnen und Abiturienten möchten nach dem Abschluss von der Schulbank zur Hörsaalbank wechseln. Und wenn es doch an Uni oder FH geht, bricht heute einer von drei Studierenden das Studium nach einigen Semestern wieder ab. Institutionen wie zum Beispiel das Bundesbildungsministerium, der Zentralverband des Deutschen Handwerks sowie viele Hochschulen bieten dann bei Bedarf Unterstützung für einen Einstieg bzw. Wechsel in einen handwerklichen Ausbildungsberuf an.

Ergänzend können und sollten die Betriebe selbst initiativ werden. Wer zum Beispiel regelmäßig gute Kontakte zu den Hochschulen in der Region pflegt und sein Personalmarketing für die Zielgruppe öffnet, kann erreichen, dass potentielle Bewerberinnen und Bewerber sich von selbst melden.

In der Regel sind Studienabbrecher übrigens nicht anschließend auch Ausbildungsabbrecher. Die meisten halten durch und werden am Ende belohnt: Der Wechsel „Vom Campus in den Chefsessel“ (so der Titel des JOBSTARTER-plus Projekts einer Handwerkskammer) gelingt oft erfolgreich.

Was die jungen Menschen zum Wechsel ins Handwerk bewegt, ist im Prinzip so unterschiedlich und individuell wie die persönliche Biografie. Aber es sind doch einige Gemeinsamkeiten festzustellen. Besonders fasziniert fast alle dieser jungen Menschen die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen und selbständig zu arbeiten. Insbesondere wer aktiv und engagiert Wertvorstellungen verwirklichen und einen konkreten, konstruktiven Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten möchte, fühlt sich vom Handwerk angezogen. Ob Bio-Backwerk, Upcycling-Mode oder Gründach & Solartechnik: Fast nirgendwo sonst wird einem so viel Gelegenheit geboten, seinen Überzeugungen Gestalt zu geben, sie umzusetzen, mit guter Arbeit Gutes zu bewirken.

Dass das Handwerk mehr Abiturienten und Ex-Studenten anzieht, liegt sicher zusätzlich auch daran, dass es finanziell immer attraktiver wird. Die Verdienstchancen im Handwerk steigen stetig. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat in einer Statistik-Studie ermittelt, dass etwa ein Drittel der Meister und Techniker einen höheren Stundenlohn erzielen konnte als der Durchschnittsakademiker. Das sind die Zahlen von 2016. Inzwischen hat sich dieser Aufwärts-Trend noch weiter verstärkt.