Klimawandel sorgt auch im Handwerk für Wandel:

Dächer müssen heute mehr können – und die Dachdecker auch!

Orkane, Windhosen und Tornados, Starkniederschläge und Schlagregen, überlange Regenperioden, Unwetter mit orangengroßen Hagelkörnern, Rekord-Schneefälle, die für hohen Schneedruck sorgen, Blitzeinschläge, im Sommer Hitzewellen mit Wüsten-Temperaturen… Wir erleben in Deutschland und Europa immer dramatischere Wetterextreme. Und das zudem immer öfter.

Solche Wetterereignisse werden so zunehmend auch zu Bedrohungen für die Dächer, teils auch für die Außenwände. Denn halten sie den Belastungen nicht stand, dann gefährden gravierende Unwettersituationen die Gebäude – und die Menschen, die in ihnen wohnen, arbeiten oder einkaufen.

Die Häufung von hochgradigen Wetterrisiken stellt also erhöhte Anforderungen an die Stabilität, aber auch an das Material der Dächer und Fassaden. Und vor allem ist auch eine absolut verlässliche handwerkliche Ausführung unverzichtbarer denn je.

Welche Aspekte sind dabei besonders zu berücksichtigen? Da wären zum Beispiel die Befestigungstechniken. Sie müssen einerseits weiterentwickelt und an die veränderten Wetterlagen angepasst, andererseits grundsätzlich verstärkt werden. Die Dachentwässerung muss deutlich größere Wassermengen ableiten können. Und die Dämmung muss über Einhaltung der Energiespar-Vorgaben hinaus dafür sorgen, dass das Innenraumklima in den Gebäuden auch bei Rekordhitze nicht die Gesund­heit gefährdet und unterm Dach beispielsweise kein Hitzestau entsteht, der im Ex­trem­fall zur Belastung werden könnte. Bei Neubauten spielt außerdem auch die Art des Dachs eine entscheidende Rolle. Die Entwicklung und erwartbare Wetter­er­eig­nisse rücken Gründächer stärker in den Fokus. Und es wird inzwischen sogar diskutiert, ob nicht vielleicht Hitze reflektierende helle oder sogar weiße Dächer, wie sie in den südlichen Ländern üblich sind, künftig auch in Nordwesteuropa Verbreitung finden sollten.
Auch die Fassaden sollten übrigens nicht vergessen werden. Seitlich auftreffende Extrem­wettereinwirkungen durch Hagel und Schlagregen können nämlich Mauerwerk, Putz und Bekleidungen schädigen und so beispielsweise eine Besiedlung durch Algen, Pilze oder Flechten fördern.

Doppelte Herausforderung für Dachdecker

Das Dachdeckerhandwerk hält die Fachregeln stets auf dem neuesten Stand und hat sie bereits an die Häufung extremer Wetterlagen angepasst. Auch bieten Hersteller inzwischen bereits eine breite Palette von speziell für Extremwetter entwickelten Materialien und Verfahren an. Aber natürlich müssen die Dachdeckerinnen und Dachdecker sich nicht nur fachlich auf eine veränderte Situation einstellen. Sie müssen sich auch auf deutlich veränderte Arbeitsbedingungen einrich­ten. Dazu gehören in den kalten Jahreszeiten beispielsweise verstärkte Absicher­un­gen. In den heißen Monaten werden intensivierter Sonnenschutz und ein bedürfnisgerechtes Pausenverhalten immer wichtiger.

Darüber hinaus ist das Handwerk durch den Anstieg extremer Wetterlagen aber immer öfter auch mit organi­sa­torischen Herausforderungen konfrontiert. Die Zahl der Handwerksbetriebe im Bauwesen sinkt stetig, während gleichzeitig besondere Wetterereignisse regional unvorhergesehen zu einer ganz massiven Zunahme des Reparaturbedarfs führen können. Das gut zu managen, die Aufträge möglichst in der Reihenfolge der Dringlichkeit zu erfassen und abzuarbeiten sowie eine große Zahl von besorgten Kunden gleichzeitig zu betreuen, bringt für die Betriebe phasenweise erhebliche Belastungen mit sich und fordert maximale Einsatzbereitschaft.

Gegen Stürme hilft kein Basteln

Damit ein Dach ungewöhnlichen Wetterereignissen sicher standhält, ist Profiarbeit übrigens unverzichtbar. Denn auch geübte Heimwerker stoßen an ihre Grenzen, wenn zum Beispiel auf einer großen Dachfläche sturmsichere Verklammerungen erforder­lich werden oder der bauphysikalische Aufbau und die Statik von Dämm­schichten zu berücksichtigen sind. Man sollte also für alles, was über eine kleine Reparatur hinausgeht, unbedingt einen Fachbetrieb beauftragen. Dessen Mitar­beiterinnen und Mitar­beiter halten sich durch Fachinformationen sowie Fort- und Weiterbildung gewissenhaft auf dem Laufenden und sind am besten auf alle ge­wan­delten Anforderungen vorbereitet.

Das Plus an Schutzmaßnahmen bedeutet für Bauherren naturgemäß zwar auch etwas höhere Kosten. Da aber Beschädigungen heutzutage potentiell dramatischer ausfallen können als früher und Baumängel bzw. schlechte Ausführungen Wetter­schäden nachweislich begünstigen, muss man einfach mal eine Gegenrechnung aufstellen. Dann wird schnell deutlich: Die Folgekosten, aber auch zum Beispiel die praktischen und gefühlsmäßigen Belastungen, die durch Wetterschäden am Haus entstehen können, sind so erheblich, dass Vorbeugung sich lohnt.

Wie wichtig gerade die fachgerechte Vorbeugung ist, hat eine im Vorjahr von einer Versicherung und dem Bauherren-Schutzbund e. V. zum Thema „Bauschäden durch Klimawandel“ durchgeführte Studie aufgezeigt. Sie ermittelte, dass dank der hierzulande üblichen soliden Bauweise unsere Gebäude in der Regel zwar eine standhafte Substanz besitzen, dass allerdings regelmäßige Wartung, Instandhaltung und Instandsetzung absolut unverzichtbar sind. Die Studien-Experten machten deutlich: Wer regelmäßig und rechtzeitig dafür sorgt, dass gut ausgebildete Fachleute Fassaden und Dach „in Schuss halten“, hat bei schlimmen Wetterlagen aller Art am wenigsten zu befürchten.