„Jemand aufs Dach steigen“ – was bedeutet das eigentlich?

In der Alltagssprache kennen wir die meist scherzhaft ausgesprochene Drohung: „Dem steig ich aufs Dach!“ Das heißt, dass man jemandem mal gründlich die Meinung sagen will oder die Person zurechtweisen wird.

Die Wendung geht auf mittelalterliche Rechtsvorstellungen zurück. Schon damals galt nämlich die Unverletzlichkeit der Wohnung als hohes Gut. Das eigene Dach über dem Kopf war ein Schutz, den selbst Behörden zu respektieren hatten.

Allerdings konnte man diesen Schutz durch verschiedene Gesetzesverstöße verwirken. Sorgte beispielsweise jemand in der Gemeinde immer wieder für Unfrieden oder versteckte gesuchte Straftäter, war auch der Frieden seines eigenen Heims nicht mehr gesichert. Dann erlaubten die damaligen Gesetze, dass Vertreter der Gerichtsbarkeit ihm aufs Dach steigen und es abdecken, um den Besitzer bloßzustellen und ihn oder die versteckte Person abzuführen.

Leider nahmen es sich aber gelegentlich nicht nur Amtspersonen, sondern auch ganz normale Mitbürger heraus, einem Nachbarn aufs Dach zu steigen und es teilweise oder symbolisch abzudecken – etwa um den Betroffenen lächerlich zu machen oder eigenmächtig zu bestrafen. Mit so einer Aktion zu drohen, wurde so zur umgangssprachlichen Wendung: „Dem steig ich aufs Dach!“

Der Brauch ist zum Glück nicht geblieben. Aber der rechtliche Schutz des eigenen Daches hat bis heute weiter Bestand. Artikel 13 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland bestätigt: „Die Wohnung ist unverletzlich.“