Hammer, Haubrücke, Laptop:

Digitale Werkzeuge werden unverzichtbar

Handwerk und Digitalisierung – das ist nur scheinbar ein Widerspruch. Gerade weil Kreativität und handwerkliches Können das wertvollste Kapital sind, sollten Computer & Co. für erfolgreichere Kommunikation, effizientere Steuerung betrieblicher Abläufe und innovative Problemlösungskompetenzen sorgen. Ein Beispiel, das besonders gut überzeugt, ist die enorme Leistungsfähigkeit der 3D-Drucker: Sie führen in kürzester Zeit Modelle, Muster und sogar Ersatzteile aus, deren Erstellung zuvor teils immensen Personal- und auch Materialeinsatz erfordert hat.

Aber wie sieht es aktuell mit der Digitalisierung im Handwerk aus? Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat 2018 dazu eine Umfrage durchgeführt. Den Ergebnissen zufolge nutzen bereits 95 Prozent der Handwerksbetriebe das Internet für Werbung und Kundenakquise. Erst etwas mehr als die Hälfte lässt sich allerdings in der Alltagsroutine durch betriebliche Software unterstützen. Noch ungünstiger sehen die Zahlen bei höher spezialisierten digitalen Technologien aus. Trackingsysteme für die Lagerwirtschaft, 3D-Scanner und 3D-Drucker etwa sind bislang wenig im Einsatz.

Dass es in vielen Handwerksbetrieben noch an IT-Ausstattung und -Nutzung fehlt, hat seine Ursachen wohl eher selten im Bereich der Anschaffungskosten. Viele Betriebe haben Vorbehalte, weil die Einarbeitung in den Einsatz von Computer & Co. erst einmal einigen Lernaufwand mit sich bringt und viel Zeit kostet – und das während des laufenden Betriebs. Deshalb ist es sehr wichtig, sich klar zu machen, dass dieser Einstiegsaufwand langfristig zu ganz erheblicher Entlastung, mehr Leistungsfähigkeit und merklichen Arbeitseinsparungen führt.

Je bedarfsgenauer die Ausstattung mit digitalen Technologien ist und je besser nicht nur die Führungskräfte, sondern auch die Teams vor Ort auf den Baustellen mit der Technik umgehen können, desto mehr Zeit und Freiraum bleibt fürs eigentliche Handwerk!

Das beginnt bei der flexibleren Arbeitsorganisation und endet bei komfortablen Apps, mit denen sogar eine Auftragserteilung per Unterschrift auf dem Smartphone-Display möglich ist. Analysen haben festgestellt, dass insbesondere auch kleine Betriebe enorm von den Möglichkeiten der Digitalisierung profitieren können. Denn gerade in Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern sichert die Verlagerung zeitaufwändiger Bürotätigkeiten, Verwaltungsabläufe und Planungsaufgaben ins Digitale wertvolle personelle Ressourcen und vereinfacht erheblich die betriebliche Organisation.

Digitale Strategien gegen den Fachkräftemangel

Ein weiterer Aspekt, der bislang in der Digital-Diskussion noch zu wenig Berücksichtigung findet: Das Handwerk ist überdurchschnittlich stark vom Fachkräftemangel betroffen. Verstärkte Anstrengungen für die Gewinnung und Bindung von Personal allein können das Problem nicht zufrieden stellend lösen. Selbst größte Anziehungskraft als attraktiver Arbeitgeber kann ja nicht den demografischen Wandel umkehren! Die Betriebe sollten also am besten möglichst viele Arbeitsabläufe von digitaler Technik erledigen lassen, so dass sie mit den schwindenden Personalressourcen optimal handlungs- und leistungsfähig bleiben.

Digital akquirieren, analog ausbilden? Ein No-Go!

Von großer Bedeutung ist außerdem, dass die Betriebe die Digitalisierung vom ersten Lehrjahr an auch in der Ausbildung ausreichend zur Geltung kommen lassen. Es ist schließlich zum Beispiel absolut nicht ratsam, über digitale Kanäle Azubis zu suchen und sich ansonsten dann, wenn´s um Digitalität geht, ganz auf den IT-Unterricht in der Berufsschule zu verlassen.

Die Gründe liegen auf der Hand: Wer mit Erfolg über Social Media junge Leute angesprochen hat, hat dort eine Zielgruppe erreicht, die entsprechend „medienaffin“ ist. Kommt dann in der Ausbildung die Digitalität zu kurz, sind Frustration und Motivationsverlust vorprogrammiert.

Darüber hinaus ist Offenheit fürs Digitale auch ein Bestandteil unternehmerischer Verantwortung. Nur wer sich im Betrieb dem Mitvollzug der technologischen Entwicklung nicht verweigert, verschafft dem Nachwuchs unverzichtbare Zukunftskompetenzen und sichert ihm künftige berufliche Chancen und Markterfolge.