Fassaden, die nicht nur wirken, sondern mitwirken

Innovationen machen das Dachdeckerhandwerk zur Zukunftsbranche

Bei Fassaden war es schon immer wichtig, dass sie nicht nur gut aussehen, sondern auch gut funktionieren, um das Gebäudeinnere zuverlässig abzuschirmen und zu schützen. Aber was inzwischen – verstärkt durch die Anforderung, Klimawandel-Folgen und das rasante Wachstum der Städte bewältigen zu müssen – möglich ist, was sich an Innovationen im Fassaden-Sektor tut, klingt teilweise fast schon nach Science Fiction.

Der Rollenwandel der Fassade ist geradezu unglaublich: Sie wird von einer passiv schützenden Umhüllung langfristig zu einer aktiv „denkenden“ und „handelnden“ Gebäudekomponente, die komplexe technische, biologisch-ökologische, chemische, mediale, soziale Funktionen übernimmt.

Langfristig werden rund um den Globus Häuser (ent-)stehen, deren Fassaden zum Beispiel als lebende Ökosysteme, intelligente „Vertikalflächen-Roboter“ oder gigantische öffentliche Medien und Ausstellungsflächen bedeutende Beiträge zu Lebensqualität, Umweltschutz, Neutralisation von Feinstoffbelastung und Smog, Information und Unterhaltung leisten.

Schon heute ist die Vielfalt faszinierend! Für das Dachdeckerhandwerk, in dessen Zuständigkeit ja die gesamte Hülle des Hauses fällt, bedeutet das eine nie da gewesene Ausweitung der kreativen und technischen Möglichkeiten.

Unter anderem gehört derzeit bereits zu diesem Trend, dass für die Gestaltung von Fassaden immer mehr ressourcenschonenende Alternativen zu Kunststoffen und Styropor zur Verfügung stehen. Um nur drei Beispiele zu nennen: Das Spektrum reicht von nachwachsendem Dämmmaterial aus Pilzmyzel über je nach Bedarf kühlende und wärmende Flächenkonzepte, die Glas und Wasser kombinieren, bis hin zu nicht rostenden Stahlfassaden, die nicht etwa nur Schmutz, sondern sogar Graffiti abweisen. Eine interessante Bereicherung – und vor allem ein faszinierendes Fachgebiet mit viel Gestaltungs-Potential. Es ausgesprochen spannend, was sich hier in der Materialwissenschaft tut.

Und neben einer stetig wachsenden Zahl von Innovationen auf der Materialebene stehen zudem auch immer mehr pflanzliche Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung. Im Zusammenwirken von Architektur und Biologie entwickeln sich beispielsweise bewachsene Häuserfassaden zu immer differenzierter konzipierten und konstruierten vertikalen Gärten. Sie sind nicht mehr bloß grün und schön, sondern sorgen für Gebäudeklimatisierung, Energieeinsparung, Luftreinigung, CO2-Reduktion und ermöglichen unter Umständen sogar landwirtschaftliche Nutzung.

Lebende, atmende, nährende Fassaden als Agrarflächen, intelligent kommunizierende oder sich selbst wartende Oberflächen, witterungsoptimierte, intelligente Licht-, Beschattungs- und Energiesparsysteme, Zukunfts-Architektur mit kommunizierenden Fassaden als Hightech-Medien… Die Fassade ist eindeutig eines der interessantesten Fachgebiete des Gewerks, denn hier wird die Dachdecker- zur Zukunftsbranche. Das macht das Berufsfeld übrigens ganz sicher auch für den Nachwuchs noch attraktiver als je zuvor. Ob man nun eher ökologisch orientiert ist, ein Hightech-Fan oder lieber „irgendwas mit Medien“ machen möchte: Für alle Interessenrichtungen ist etwas dabei.