Fair führen

Was macht zum „guten Chef“? Drei 100 TOP-Erfolgsrezepte

Es gibt viele wirklich kluge, wissenschaftlich fundierte und lehrreiche Magazine, Fachbücher und Seminare zum Thema Managementkompetenz und Mitarbeiterführung. Die Mehrzahl der darin geschilderten Modelle und Ratschläge befasst sich allerdings damit, Führungsaufgaben in Großbetrieben und Konzernen mit einer klar gegliederten Firmenhierarchie zu lösen. Doch Handwerksbetriebe haben in der Regel weder diese Größenordnung noch solche Strukturen. Zudem sind sie praktisch immer inhabergeführt, meist sogar als Familienunternehmen. Das sorgt einerseits für besonders viel Nähe zwischen allen, die hier mitarbeiten. Ein Führungsverhalten „nach Schema F“ ist schon deshalb fehl am Platz. Und andererseits gibt es auch noch jede Menge Allround-Anforderungen an die Personen, die das Ganze besitzen und leiten. Während sich woanders die Zuständigkeiten und Aufgaben auf mehrere Führungskräfte verteilen können, scheint in einem Handwerksbetrieb ziemlich viel doch erst einmal Chefsache bzw. Sache der Chefin zu sein. Das bedeutet eine große Herausforderung. Führung ist nämlich immer eine Dreifach-Aufgabe. Schließlich führt man nicht nur die anderen und die betrieblichen Abläufe, sondern dazu auch sich selbst.

All das tagtäglich zu leisten und umzusetzen, umfasst viele Detailaufgaben. Drei besonders wichtige Aspekte sind Werte, Miteinander und Transparenz. Bei Mitgliedsbetrieben von 100 TOP spielen sie deshalb eine große Rolle.

Die Basis: das Wertefundament

Eine der wichtigsten unternehmerischen Regeln überhaupt hat Henry Maske mal sehr schön in einem Interview formuliert: „Ich möchte gerade Führungskräfte daran erinnern, dass die beste Motivation für einen Mitarbeiter ein Chef ist, der nichts verlangt, was er nicht bereit ist, selbst zu erfüllen.“ Auf der praktischen Seite gehört das in den meisten Betrieben eigentlich ohnehin schon dazu. Meister oder Meisterin müssen so manches vormachen, zeigen, erklären, in kleineren Firmen sogar regelmäßig mit anpacken.

Fachliches Können, Leistungsbereitschaft und Einsatz der Führungskräfte sind aber eben auch „ansteckend“. Selbst die angeblich nur supercoole junge Generation weiß gute, tüchtige Vorbilder nach wie vor sehr zu schätzen. Deshalb fängt Führung beim handwerklichen Können und Wissen an. Perfekte Chefs fördern aber gleichzeitig immer auch Spezialisierung und Weiterqualifikation im Team. Sie müssen schließlich nicht alles selbst beherrschen. Aber sie lassen sich fachlich auch nie „abhängen“!

Auch die Wertvorstellungen müssen in der Chefetage vorgelebt werden. Sich darüber auszutauschen, sie zu diskutieren und weiterzuentwickeln, ist deshalb in unseren Mitglieder-Veranstaltungen ein sehr häufiges Thema – und auch in den Betrieben eine Selbstverständlichkeit.

Darüber hinaus hat es sich als ausgesprochen hilfreich erwiesen, Überzeugungen, Verhaltensregeln, Vision & Mission, Leitlinien, Motti, kurzum: die eigene Firmen­philosophie, schriftlich zusammenzufassen. So kann man sich über seine Maßstäbe klar werden, außerdem hier und da abgleichen, ob man ihnen noch genügend Geltung verschafft. Deshalb ergänzen viele Mitgliedsbetriebe den 100 TOP-Werte­kanon noch durch die Formulierung ihrer betriebseigenen Prinzipien. Das können zum Beispiel die 10 (oder mehr) Gebote des Betriebs als Poster sein oder eine kleine Broschüre. Ein wunderbares Führungs- und Kommunikationsinstrument, denn es entfaltet nicht nur intern Wirkung, sondern dient auch der Kundenwerbung, gehört zur geschäftlichen Außendarstellung, unterstützt die Bewerberakquise und lässt sich in der Öffentlichkeitsarbeit einsetzen.

Verantwortlich handeln heißt Verantwortung teilen

„Führen nach Gutsherrenart“, „Anweisungskultur“, „Kontrollitis“, „Top-Down-Stil“, „Pyramidenstrukturen“ – all diese Begriffe sind uns als Schimpfworte bekannt, und das zu Recht. Zornrot tobende Meister gibt´s heutzutage zum Glück ja auch (fast) nur noch in Cartoons!

„Wenn Führungskräfte einerseits eine agile Organisation haben und andererseits in dieser die volle Kontrolle behalten wollen, dann ist das so, als wünschte man sich einen eisigkalten, sonnigen Regentag“, brachte es der Managementexperte Markus Reimer mal auf den Punkt. Die Inhaber von 100 TOP-Betrieben sehen das genauso kritisch fühlen sich keineswegs verpflichtet, immer alle Fäden in der Hand zu behalten. Vielmehr teilen sie die Verantwortung sinnvoll und planvoll mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Allen 100 TOP-Mitgliedern stehen dafür zwei besondere, branchenweit einmalige Instrumente zur Verfügung: das Qualitätsmanagementsystem FIRST und das Personalentwicklungssystem meX. Unter anderem helfen sie bei der optimalen Erfassung von Stärken und Interessen der Teammitglieder und unterstützen die Delegation von Aufgaben. Das fängt mit Planung der passenden Qualifikation für diese Aufgaben an und führt schließlich bis hin zur praktischen Übertragung eigener Verantwortungsbereiche.

Ein Teil dieser Tools wird in Eigeninitiative genutzt, man darf mitdenken, mitmachen, fühlt sich gefördert. Das Personalsystem meX bietet außerdem die Möglichkeit, schnell und bequem Verbesserungsvorschläge einzubringen und seinerseits Feedback zu geben. Die Teams sind begeistert, und die Chefs von der Dauer-Rundum-Zuständigkeit entlastet.

Loslassen und vertrauen ist übrigens genau das Gegenteil von „einfach laufen lassen“. Es ist erstaunlich, wie viel mehr Potenzial und Freude es bringt, einen eigenen Kompetenzbereich verantworten zu dürfen. Dass man Entwicklungschancen hat und eine moderne Führungskultur vorfindet, ist für Bewerberinnen und Bewerber ein wichtiges Kriterium, sich für einen 100 TOP-Mitgliedsbetrieb zu entscheiden.

Auch mal Wortführer sein

In Umfragen, Diskussionen und bei Tagungen von 100 TOP-Chefs wird immer wieder auch darüber gesprochen, wie wertvoll und wichtig es ist, regelmäßig für Kommunikation und für Transparenz zu sorgen. Deshalb verwenden sie viel Sorgfalt auf durchdachtes, gut vorbereitetes Feedback in den Mitarbeitergesprächen. Sie machen es sich zum Prinzip, im Arbeitsalltag für Austausch zu sorgen, fair und verständlich zu kommunizieren, Hintergrundinformationen immer frühzeitig und umfassend an alle weiterzugeben. Informiertheit ist nicht das Privileg von „Lieblingen“, sondern das gute Recht aller.

Viel Wert wird auch darauf gelegt, verdiente Anerkennung auszudrücken. Das Motto „nicht zu tadeln ist Lob genug“ ist dumm und überholt.

Den Chefs von 100 TOP-Betrieben steht sogar eine besondere Quelle für Feedback und Lob zur Verfügung. Jeder Kunde erhält nämlich mit der Rechnung auch einen Befragungsbogen. In diesen Bögen finden sich oft sehr nette Komplimente zufriedener Kunden an die Teams, die natürlich sofort weitergeleitet werden. Manchmal ist sogar ein toller Aufhänger für eine kleine Ansprache beim Morgen-Meeting dabei. Und schon startet das Team noch besser gelaunt zur Baustelle.