Ein Händchen für Lösungen – und Köpfchen, um sie zu finden

Kreativität im Handwerk: Erfolgs- und Glücksfaktor

 

Einfälle gegen Ausfälle

Während der Hochphasen der Coronakrise haben viele Handwerksbetriebe mit ihrer Kreativität Schlagzeilen gemacht. Was gab es da nicht alles! Zum Beispiel eine Bäckerei, die kurzerhand einen Drive-In-Service auf die Beine bzw. Räder stellte. Jede Menge kontaktfreie Organisations-Algorithmen für Teams, Geschäftspartner, Kunden. Initiativen für die schnelle Produktion von Masken, je nach Bedarf aus der Schneiderei oder sogar vom Glaser. Das coole virtuelle Richtfest auf dem Dach. Einen originellen Konditor, der mit Torten im Klorollen-Look für Furore sorgte. Eine Raumausstatterin, die in Nullkommanix funktionale Infektionsschutzkonstruktionen für besonders gefährdete Betriebe wie Apotheken und Arztpraxen entwickelt hat. Und, und, und… „Wir lassen uns von Corona nicht ins Handwerk pfuschen“: Ja, dieser Slogan der Dachkampagne des Handwerks wurde tagtäglich mit neuen Überraschungen bestätigt.

 

Begeistert waren nicht nur die Betroffenen, denen geholfen wurde. Endlich einmal hatten auch die vielen wegen Lockdown daheim Gebliebenen reichlich Muße, um über die Medien ungewöhnliche Problemlösungen kennen zu lernen. Die Storys und Pics wurden über Facebook, Twitter, Instagram & Co. anschließend Tausende Male geteilt. Können, Kreativität, Konzepte und Kompetenz des Handwerks sorgten in der Krise für gute Unterhaltung und Aufmunterung. Vor allem auch, weil sie sehr vielen etwas Wichtiges vermittelt haben: das Gefühl, dass man eben doch nicht völlig an das unerwartete Geschehen ausgeliefert ist, solange tüchtigen Leuten was Gutes einfällt.

 

Kreativität – ausnahmslos der Regelfall

Das Erfreuliche an der Coronakrise ist, dass sie so langsam vorbei ist. Und mindestens genauso erfreulich ist, dass handwerkliche Kreativität überhaupt keinen solchen Krisenmodus braucht, um tagtäglich neue Ideen und Umsetzungen hervorzubringen! Denn Einfälle zu haben, Probleme zu erkennen und zu lösen, Neues zu entwickeln, praktisch zu gestalten, das ist im Handwerk die Regel und nicht die Ausnahme. Und zwar völlig unabhängig von der Fachrichtung.

 

Entsprechend intensiv widmet man sich bereits in der Ausbildung dem Anliegen, selbstständige Lösungskompetenzen für unterschiedliche Anforderungen und Situationen zu vermitteln. Um so etwas in der Praxis zu überlegen und auszuführen, ist solides handwerkliches Können als Basis allerdings absolut unerlässlich. Man könnte sagen: Nur wenn jeder Handgriff sicher sitzt, ist der Kopf frei für neue Ideen.

 

Von Blumen bis Bitumen… einzigartig vielseitig!

Im Dachdeckerhandwerk spielt das Kreative im Prinzip überall eine Rolle. Schließlich ist schon das Tätigkeitsfeld sehr breit gefächert. Man gestaltet ja nicht einfach nur verschiedene Dachformen von flach bis steil oder rund. Sondern man hat auch eine faszinierend große Materialvielfalt zur Verfügung. Sie reicht von Grün- und Blühpflanzen bis zu Bitumenbahnen, von Naturmaterialien wie Schiefer, Reet und Holz bis zu von Menschenhand bzw. industriell hergestellten Eindeckungen aus Ton, Beton und Metall. Hinzu kommt noch, dass die gesamte Gebäudehülle einschließlich angrenzender Flächen mit ins Fachgebiet fällt. So etwa Fassaden aus den unterschiedlichsten Materialien, Dämmungen, Balkonbeläge, Terrassen, Zuwegungen, Vordächer, Carports, Pergolen… Last but not least ist noch das Thema Energie mit im Programm, bis hin zur Ausstattung des Dachs mit Solartechnik.

 

Kunst und konzeptionelles Können

Und durchaus nicht für jede Aufgabenstellung ziehen Auftraggeberinnen oder Bauherren Architekten hinzu. Oft ist es Sache der Dachdeckereien, für Ästhetik und ausgewogene Proportionen zu sorgen, dem Gebäude durch das richtige Zusammenspiel von Eindeckung und Fassade Stil, Charakter und Wertigkeit zu verleihen. Auch hier ist also schöpferische Konzeption und Gestaltungskompetenz im Einsatz.

 

Um Kreativität geht es auf den Baustellen zudem tagtäglich wirklich bis ins allerkleinste Detail. Denn eigentlich muss man für fast jede bauliche Gegebenheit wieder eine eigenständige neue Lösung finden. Jedes Dach, jede Gaube, jedes Gebäudeteilstück ist anders. Mal ganz abgesehen davon, dass oft auch so manches Material individuelle Handhabung verlangt, zum Beispiel Schiefer, der vor Ort in Form gebracht wird. Null-acht-fuffzehn? Nein, das gibt es hier nicht, ganz im Gegenteil. Und darüber hinaus muss das, was schön aussieht, ja immer auch verlässlich halten. Schicker Look und Windsogsicherung – beides muss stimmen!

 

Ständig Neues entwickeln – eine gute Tradition

Weil die Kreativität nicht nur unverzichtbar, sondern sogar ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, werden ihrer systematischen Entwicklung und Förderung immer häufiger Veranstaltungen und Maßnahmen gewidmet, zum Beispiel Clubs, Workshops und Design Thinking-Seminare. Zum Teil unterstützt auch der Staat so etwas, beispielsweise in Form von Kooperationen aus Bildungsinstitutionen, Kreativwirtschaft, Kammern und Regionalverbänden.

 

Die kreative Unternehmens- und Marketingkommunikation spielt bei solchen Events übrigens auch eine Rolle. Schließlich geht es beim Thema Kreativität im Handwerk durchaus nicht immer nur um neue handwerkliche Gestaltungs- und Produktideen, sondern ebenso um bessere Dienstleistungen und die Stärkung des Dialogs mit den Kunden.

 

Eine der erfolgreichsten Ideenentwicklungsmethoden für kreativ tätige Unternehmen ist das schon erwähnte Design Thinking. Formal bestätigt die Methode, was man im Handwerk schon längst weiß und praktiziert: Für einen gelungenen Kreativprozess bringt man am besten Menschen unterschiedlicher Fachrichtungen und mit unterschiedlichem Vorbildungs- bzw. Qualifikationsniveau zusammen. Im Design Thinking haben alle Vorschläge ihre Berechtigung, ob sie nun von einer Praktikantin oder einem erfahrenen Meister kommen. Idealerweise ist die Kundenseite ebenfalls mit vertreten, oder aber Teammitglieder schlüpfen in die Kundenrolle.

 

Gemeinsam bearbeitet man die Aufgabenstellung, die man sich vorgenommen hat, in festgelegten Schritten. Hier gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Eine der hierzulande gängigsten ist die des Hasso-Plattner-Instituts für Digital Engineering gGmbH, das mit der Digital Engineering Fakultät der Uni Potsdam verbunden ist. Seine sechs Prozessschritte: Verstehen, Beobachten, Standpunkt definieren, Ideenfindung, Erstellung eines Prototyps (symbolische Visualisierung, Beschreibung, Modell, Dummy o. ä.) und Testphase mit Auswertung von Feedbacks.

 

Der Schritt Verstehen dient dabei der allgemeinen Orientierung, hier werden die Aufgaben definiert, die Rahmenbedingungen beschrieben und natürlich die Ziele festgelegt, auf die man hinarbeitet. Das Ganze gleicht einem Briefing, nur dass es diesmal nicht von außen kommt, sondern gemeinsam erarbeitet wird. Beim Schritt Beobachten setzt man sich intensiv mit den Kundenwünschen auseinander, indem man sie aufmerksam erfasst, genau zuhört, analysiert.

 

Kundennähe und Kundennutzen: bei 100 TOP schon immer das Kreativkonzept

Solch ein kreativitätsfördernder Kunden-Input ist übrigens bei den 100 TOP Dachdeckern fest in den Prozessen verankert; er ist Teil des verbundeigenen Qualitätsmanagementsystems FIRST: Jeder Auftrag wird mit einer Kundenbefragung mittels Interviewbogen abgeschlossen. Die Ergebnisse und Auswertungen der Kommentare fließen unmittelbar in die weitere Arbeit ein und geben so ständig Impulse zu weiteren Verbesserungen. Die starke Kundenorientierung macht Design Thinking zu einer für 100 TOP-Betriebe besonders gut geeigneten Methode.

 

Verstehen und Beobachten verbinden sich zum Standpunkt. Er wird in Bild und Text festgehalten und ist in der kreativen Phase verbindlich zu berücksichtigen. Darauf folgt der eigentliche kreative Prozess, der mit der gemeinsamen Ideenfindung beginnt. Spannend ist im Anschluss insbesondere, aus deren Ergebnissen konkrete Problemlösungen abzuleiten und ihnen so anschaulich Gestalt zu geben, dass man die Qualität der Lösung beurteilen und zur Testphase übergehen kann. Hier erhält man Antworten auf die wichtigen Fragen. Insbesondere natürlich, ob die Idee funktioniert und ob sie den Kunden gefallen wird.

 

Das klingt jetzt alles erst einmal ganz abstrakt und ist es in gewisser Hinsicht auch. Wenn man Design Thinking als vollständigen Prozess anwenden und absolvieren möchte, ist es tatsächlich sinnvoller, sich aus dem betrieblichen Alltag mal auszuklinken und das Ganze von jemand moderieren zu lassen, die oder der die nötige Seminarleitungserfahrung hat. So kommt man am nachhaltigsten zu greifbaren Resultaten.

 

Doch auch in Teilschritten, etwa in hierarchiefreiem Austausch und der intensiven, systematischen Beobachtung und Berücksichtigung von Kundenbedürfnissen, kann ein Verfahren wie dieses ausgesprochen ertragreich und förderlich sein. Sich empathisch in die Zielgruppe und ihre Bedürfnisse hineinzuversetzen, alle im Team an der Entstehung von Visionen und Lösungen zu beteiligen, ständig offen zu  bleiben für Veränderungen, mutig neu zu denken und konsequent immer wieder auszuprobieren, wie man seine Leistung für die Auftraggeber, die Partner, die Mitglieder des Betriebs noch weiter verbessern kann, das lässt sich durchaus auch in die „daily routines“ integrieren oder als fester Tagesordnungspunkt in Meeting-Agenden verankern.

 

Und noch einen weiteren Nebeneffekt hat solch ein Vorgehen: Die tolle Erfahrung, dass Kreativität letztlich auch etwas Kollektives sein kann, eine verbindende Gemeinschaftsleistung stärkt Motivation und Zusammenhalt. Sie macht so nicht nur die Kundinnen und Kunden und sonstigen Ansprechpartner „draußen“ zufriedener, sondern auch das Team.