„Das war schon immer so.“ „Na und?!“

Es geht auch anders – damit Alltagssprüche am Arbeitsplatz nicht zu Killerphrasen werden

 

Man kennt sie von unangenehm verlaufenen Meetings, unerfreulichen Verkaufs­gesprächen, frustrierenden Behördenbesuchen: Phrasen, die ablenken, die Diskussion abwürgen, einen herabsetzen oder hilflos zurücklassen. Das Spektrum reicht von „das liegt nicht in Ihrem Kompetenzbereich“ über „da könnte ja jeder kommen“ bis hin zu: „tut mir leid, ich habe meine Anweisungen“. Solche Sprüche machen verantwortungsvolle Führungskräfte nicht und haben sie auch nicht nötig. Das Handwerk ist da anderen Branchen sogar voraus: Obwohl es oft heißt, dass es auf dem Bau sprachlich manchmal rau zugeht, hört man wirklich perfide Durchsetzungs-Rhetorik dort praktisch nie.

Doch manchmal sind leider selbst ganz normale und geläufige Schlagworte, Floskeln, Gemeinplätze kontraproduktiv. Alltags-Ausdrücke, gar nicht böse gemeint, sie rutschen einem halt raus, manche erinnern sogar an seit je her vertraute Belehrungen, die es so ähnlich zum Teil schon in der Grundschule zu hören gab. Aber auch so etwas kann sich negativ auswirken – auf die Lösung der Aufgabe, auf das Selbstwertgefühl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ganz allgemein auf die Stimmung im Team, fast immer auch aufs Image der sprechenden Person. Wir haben 20 der gängigsten Wendungen zusammengestellt, erklären, was sie schädlich macht, und schlagen vor, wie man die Kommunikation verbessern kann.

Wenn man sich klar macht, dass eine Sprachäußerung nie nur die Sachaussage selbst transportiert, sondern immer auch die Beziehung mit abbildet, eine Auskunft über die sprechende Person gibt sowie eine Absichtsbekundung bzw. einen Appell an die angesprochene Person übermittelt, wird so schon ziemlich schnell deutlich, wo überall kommunikative Stolpersteine zu finden sind. Diese Regel, die auf das Kommunikationsmodell „4 Seiten einer Nachricht“ von Friedemann Schulz von Thun zurückgeht, kann man auch sonst immer mal ganz gut anwenden, um Äußerungen zu deuten und bei Bedarf zu verbessern.

 

Bekanntlich… Eigentlich eine ganz gängige Floskel, oder? Ja, schon. Aber sie versteckt den Vorwurf „eigentlich müsstest du das wissen“, und schon wird sich das Gegenüber unterlegen fühlen. In die gleiche Richtung geht die Floskel „Wie jeder weiß….“. Lieber nur konkret und sachlich auf das Bezug nehmen, was bekannt sein sollte.

Dafür hab ich jetzt keine Zeit. Klingt erst einmal wie eine nur durch Termindruck begründete Zurückweisung. Aber in der Formulierung kann indirekt mitschwingen, dass sich die oder der Sprechende belästigt fühlt und für anderes vielleicht durchaus Zeit eingeräumt hätte. Schon kommt als Botschaft an, dass das Anliegen und die Person, die es vorgetragen hat, nicht wichtig sind. Wenn möglich, sollte man in Aussicht stellen, dass man sich des Anliegens zu einem anderen Zeitpunkt annimmt: „Ja, das sollten wir besprechen, wenn nicht gerade so viel auf einmal ansteht. Ich hätte in der Mittagspause Zeit dafür.“

Das bleibt jetzt so. Klar, manchmal ist es wichtig, ein Machtwort zu sprechen; zum Führen gehört ja auch, überflüssigen Diskussionen ein Ende zu setzen. Man sollte es auch deutlich sagen, wenn eine Frage abschließend entschieden wurde, dies aber trotzdem nochmal kurz begründen. Ohne Erklärung wirkt solch eine „Schluss jetzt“-Äußerung sonst immer sehr, sehr chefig und diktatorisch.

Das bringt nur Probleme. In diesem Satz stecken gleich zwei Fallen. Erstens macht die Pauschalisierung die Äußerung vage, sie ist nicht wirklich nachvollziehbar. Und zweitens kommt die Person, die sie von sich gibt, als jemand an, die oder der Problemen anscheinend ausweicht. Gar nicht gut für die Wertschätzung durch das Team! Man sollte die mögliche Problemursache genauer benennen und erklären, warum es sinnvoll ist, das Risiko zu vermeiden.

Das haben schon ganz andere als du nicht geschafft. So erstickt man Initiative im Keim, gibt dem Gegenüber das Gefühl großer Inkompetenz und signalisiert „Ich fühle mich dir überlegen“. Der  Satzteil „ganz andere als du“ enthält einen verdeckten Vergleich, bei dem die oder der Angesprochene schlecht wegkommt. Fairer und freundlicher ist, begründet vom wenig Erfolg versprechenden Versuch abzuraten und ein Beispiel anzuführen, warum mit Misserfolg zu rechnen wäre.

Das haben wir doch alles schon längst probiert. Im Grunde genommen eine Variante des vorherigen Phrasentyps und synonym mit: „Schlafmütze, wir sind dir weit voraus!“ Stattdessen am besten einfach sachlich sagen, dass und welche früheren Versuche nicht zum erhofften Ergebnis geführt haben.

Das haben wir schon immer so gemacht. Wieder so ein Satz, der sowohl den Sprechenden als auch die Botschaft denkbar schlecht wegkommen lässt: Wer sich ohne zu hinterfragen Veränderungen entgegenstellt, bremst Initiativen und Innovationen und versteckt sich auch noch hinter den Konventionen. Das kostet viel Respekt. Lieber kurz hinweisen, dass sich an dieser Stelle weiter die lang erprobten Verfahren bewähren und welche.

Das ist nicht unsere Baustelle. Das geht uns nichts an. Öha – Äußerungen dieser Art bedeuten, dass man sich aus der Verantwortung ziehen möchte. Schon steht man als Drückeberger da. Wenn etwas tatsächlich nicht in den eigenen Verantwortungsbereich fällt oder wenn man nicht bereit ist, sich in etwas Nachteiliges hineinziehen zu lassen, sagt man das am besten ausdrücklich so.

Das ist viel zu teuer. Pauschale Argumente wirken sowieso immer zweifelhaft. Und besonders das Argument „zu teuer“ wird gern missbraucht, um etwas abzulehnen, wenn es eigentliche andere Ablehnungsgründe gibt. Wenn es also wirklich ums Finanzielle geht, lieber präziser werden: Ist es dem Kunden zu teuer oder dem ausführenden Unternehmen? Reicht das Budget nicht oder drohen Folgekosten? Je besser man so eine Aussage mit Zahlen beweisen kann, desto glaubwürdiger wird sie.

Das lässt sich bei dem Kunden nicht durchdrücken. Vokabeln wie „durchdrücken“ vermitteln den Eindruck, dass man gegenüber dem Auftraggeber durchaus auch mal rhetorische Gewalt anwendet und manipuliert. „Mit dem Einverständnis des Kunden ist nicht zu rechnen weil…“ bekundet deutlich mehr Kundenorientierung und Respekt.

Das macht man so nicht mehr. Auch das Gegenteil von „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist ausgesprochen negativ in der Wirkung. Die Betonung des eigenen Wissensvorsprungs bringt eine top-down-Positionierung in die Kommunikation und stellt das Gegenüber als Person bloß, die nicht auf dem aktuellen Stand ist. „Wir machen es so und so“ ist freundlicher, neutraler und brüskiert nicht.

Ich versteh echt nicht, wo du da das Problem siehst! Ach, diese Variante der geläufigen Wendung „wo ist das Problem???“ wird gern und oft zitiert, häufig ironisch. Aber als Vorwurf, dass die andere Person ein Problem wahrnimmt, wo man selbst keines erkennt, wirkt der Spruch herablassend. Man fragt besser wertfrei, wo die andere Person einen möglichen Nachteil sieht, und hört aufmerksam zu. Wer weiß, sie könnte wider Erwarten sogar Recht haben!

Ich weiß schon, wie das endet. Ein Besserwisser-Spruch, der den eigenen Informationsvorsprung betont und die andere Person so dastehen lässt, als hätte sie die Sache nicht bis zu Ende bedacht. Besonders garstig wirkt, dass der eigene Wissensvorsprung nicht mit der/dem anderen geteilt, sondern nur pauschal behauptet wird. „Ich weiß, du nicht, und ich sag´s auch nicht.“ Also lieber durch eine konkrete Warnung vor dem potentiell ungünstigen Endresultat ersetzen.

Lass mal, das wird so nicht funktionieren. Natürlich kann es sinnvoll sein, andere vor Misslingen oder einer schlechten Erfahrung zu bewahren. Aber die sprachliche Form enthält zu viele Überlegenheitssignale und Bevormundung. Man kann sie gut ersetzen, indem man sich aufs rein Faktische beschränkt und auf die Schwachstellen hinweist, wegen denen die in Frage stehende Aktion nicht funktionieren dürfte.

Mal wieder typisch! Huch, der kurze Satz enthält gleich mehrere Formen von Herabsetzung. Er verrät nämlich über Sprecherin oder Sprecher folgende Selbstauskünfte: „Ich habe mir ein festes Bild von dir gemacht. Dieses Bild ist negativ. Ich stelle fest, dass es soeben erneut bestätigt wird. Das verschafft mir Genugtuung, denn damit behalte ich Recht. Und ich nehme mir heraus, mein Vorurteil ohne Rücksicht auf deine Gefühle zu äußern.“ Hier gibt es nur eine Möglichkeit, es besser zu machen: Phrase ganz weglassen!

Ach, du wieder mit deinen Ideen. Die Formulierung impliziert, dass hier ein Mensch abgefertigt wird, der öfter Vorschläge unterbreitet und Ideen entwickelt. Die abschätzige Antwort gibt zu erkennen, dass diese weder willkommen sind noch ernst genommen werden. Kaum etwas kann Initiative mehr im Keim ersticken, der Satz ist sogar ein regelrechter Vorschlagswesen-Killer! Auch hier gibt es keine Verbesserungsmöglichkeit als die, die Ideen einfach mal aufmerksam anzuhören, sie gelten zu lassen und zu überlegen, ob sie nicht doch etwas Gutes oder Nützliches enthalten. Man sollte bedenken: Auch hinter einem Zuviel an Ideenvorschlägen steckt schließlich meist ehrliches Bemühen, einen Beitrag zu leisten. Das verdient Würdigung, selbst wenn die Ideen an sich nicht unbedingt immer brauchbar sind.

Wart erst mal ab, bis du meine Erfahrung hast. Die Betonung des doppelten Vorsprungs von Alter und Erfahrungswissen wird hier verbunden mit einer Aufforderung, sich bis zum Erreichen dieses Niveaus abwartend, also passiv zu verhalten. Obwohl man es gar nicht so gemeint hat, entmutigt das jede Initiative und macht die andere Person klein. Es empfiehlt sich, stattdessen zurückhaltend mal nachzudenken, ob, wo und wie man es möglich machen kann, dass die Person eigene Erfahrungen mit dem Thema macht und dann selbst reifen kann.

Wenn das ginge, wäre es schon längst gemacht worden. Noch so eine verbale Schwungbremse! Durch die Verallgemeinerung wirkt sie besonders tadelnd, enthält quasi den Vorwurf, dass die angesprochene Person noch nicht einmal die Basics kennt. Wenn einem solch ein Satz leicht herausrutscht, muss man sich die Frage stellen, ob man sich nicht vielleicht hier und da auch schon selbst mit schematischem „geht nicht“-Denken ausgebremst hat. Ersetzen Sie den Satz für sich und andere mit einem schlaueren Spruch: „Jede Innovation beginnt mit einem intelligenten Regelverstoß…“

Wir haben jetzt Wichtigeres zu tun. Klingt harmlos, kann aber als besonders stark entwürdigend wirken und entsprechend wehtun. Analysieren wir das Ganze mal. Die Floskel fängt an mit „Wir“. Meist wird das in die große Runde gesagt – alle Anwesenden werden einbezogen, die Person, der man widerspricht, ist davon jedoch ausgenommen. So kann ein „Wir“ zu einer verbalen Ausgrenzung werden. Zudem wird das, was die Person vorgebracht hat, als nachrangig und unwichtig abgewertet. Das verstärkt die Ausgrenzung. Und drittens spielt sich die Sprecherin bzw. der Sprecher als entscheidungsbefugt auf und maßt sich recht autoritär an, ganz allein die Prioritäten bestimmen zu dürfen. Die Betonung dieses Hierarchieverhältnisses unterstreicht die Ausgrenzung nochmal. Aber wie das Dilemma lösen? Es kommt ja nun mal tatsächlich vor, dass in großer Runde etwas vorgebracht wird, für das gerade nicht der Bedarf oder die Kapazität vorhanden ist. Die Lösung heißt hier: Höflichkeit und Verschieben. Also darum bitten, das Anliegen nochmal zur Sprache zu bringen, wenn Zeit- und Rahmenbedingungen den nötigen Freiraum bieten. Eine weitere Möglichkeit ist die Einladung, den Gedanken oder Vorschlag schriftlich festzuhalten und ein Memo daraus zu machen. Da die Schriftform dazu zwingt, etwas zu durchdenken, hilft das auch der betroffenen Person, ihre Anregung zu überprüfen und dann überzeugender zu verkaufen.

Reicht doch schon. Wirklich? Diese Formulierung verrät, dass man sich mit einer Minimallösung zufrieden gibt und es den anderen ebenfalls empfiehlt. Und schon ist die Führungsqualität angekratzt. Wenn einem dieser Satz auf der Zunge liegt, ersetzt man ihn am besten schnell durch: „Können wir noch was verbessern?“

 

Wertschätzung ist Wertschöpfung

Um es nochmal zusammenzufassen: Phrasen sind im Alltag gang und gäbe. Doch manchmal sind die scheinbar harmlosen Floskeln eben kommunikative Fallen. Man sollte sie kennen, um sie zu vermeiden und mit unbedacht Dahergesagtem die Kommunikation zu beeinträchtigen. Denn meist ist einem ja überhaupt nicht bewusst, dass man mit einem 08/15-Spruch anderen vielleicht Anerkennung vorenthält, asymmetrische Kommunikationsverhältnisse herstellt oder vielleicht sogar dem Projektfortschritt schadet, wenn man etwas gedankenlos dahersagt. Natürlich kann man immer ein „war nicht so gemeint“ nachschieben, wenn man´s merkt. Aber von vornherein unterlassen ist noch ein bisschen besser (und übrigens auch bequemer).

Zum Glück wirkt sich vieles nicht so schlimm aus, wenn die Kommunikation ansonsten auf Augenhöhe stattfindet und es genug ausgleichende Bestätigung gibt.

Und  im Übrigen hilft es wirklich, sich an die gute alte französische Redensart zu halten, dass man das, was Katze ist, auch einfach Katze nennen soll. Parolen, fertige Floskeln sind bequem, aber man weicht mit deren Verwendung, oft ungewollt, eben auch vor konkreteren Stellungnahmen aus, verwendet Allgemeinplätze statt eigene Sätze und ist sprachlich dadurch nicht so präsent und nahbar, wie man sein sollte und möchte. Klartext, Rückfragen, Gegenvorschläge und ein ernsthaftes Zuhören statt vorschneller sprachlicher Reaktion bringen weiter – und das Team näher zusammen.

Das tut der Harmonie und dem Gemeinschaftsgefühl gut, stärkt nach innen wie nach außen, unterstützt die Motivation. Und die kommt letztlich nicht nur der individuellen Tatkraft und Leistungsfähigkeit zugute, sondern ebenso dem gemeinsamen Erfolg (auch dem wirtschaftlichen) im Betrieb.