Damit Sie guter Rat nicht teuer zu stehen kommt:

Tipps rund um die Unternehmensberatung

„Ein Berater ist ein Mann, der deine Uhr nimmt, dir dann sagt, wie spät es ist, und dir zum Schluss dafür eine Rechnung schickt.“ „Das Johnnie Walker Syndrom: Der Unternehmensberater geht, das Problem bleibt.“ „So mancher Berater gleicht einem verzweifelten Single, der Workshops über erfolgreiche Partnersuche abhält.“ Sprüche wie diese werden gern in lustigen Bürokalendern zitiert – aber leider ist ein bisschen Wahres dran. Denn in der Beratungs- und Coaching-Branche gibt es nicht nur hervorragend ausgebildete, seriöse Experten, die Betriebe fachkundig und engagiert betreuen und zum Erfolg begleiten. Sondern immer wieder auch mal Anbieter, um deren Qualifikation und Problemlösungskompetenzen es nicht gerade zum Besten bestellt ist. Da Unternehmensberater in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung ist, darf sich nämlich jede und jeder, die bzw. der sich dazu (aus welchen Motiven auch immer) berufen fühlt, ganz einfach selbst dazu ernennen. Da hohe Honorare üblich sind, zieht dieses Tätigkeitsfeld auch Personen an, die gar nicht das nötige Können mitbringen – bis hin zu schwarzen Schafen, die gezielt den Unterstützungsbedarf von Betrieben ausnutzen.

Oft sind gerade die selbsternannten „Consultants“ im Auftreten deutlich offensiver als die vertrauenswürdigen KollegInnen und schaffen es so, sich regelrecht vor die echten Fachleute zu drängeln, die Betrieben ihre Leistungen niemals aufnötigen würden.

Mit ungenügend qualifizierten Beratern entstehen den Firmen am Ende hohe Kosten ohne echten betrieblichen Nutzen. Industrie- und Handelskammern, aber auch Gründerforen, Mittelstandsmagazine und Handwerksredaktionen veröffentlichen deshalb regelmäßig Ratschläge und Hinweise, worauf bei der Wahl von Beratungspartnern zu achten ist. Wir haben daraus die Antworten auf die häufigsten Fragen für Sie zusammengetragen.

Welche Beratungs-Fachgebiete gibt es?
Die häufigsten übergreifenden Beratungsgebiete sind Management / Organisation / Strategie, Führung, Marketing und Kommunikation, Personal, Betriebswirtschaft / Finanzen / Controlling. Einige besondere Vertiefungsrichtungen erfordern zusätzlich noch Spezialkenntnisse, zum Beispiel in Technik oder Recht. Dazu gehören unter anderem Datenschutz, IT, Digitalisierung, Regelung der Unternehmensnachfolge.

  • Stellen Sie mittels Analyse (z. B. unterstützt durch Ihr QM-System FIRST) zunächst fest, in welchen Bereichen Sie konkret Beratungsbedarf haben. So können Sie gleich gezielter nach fachlich geeigneten Ansprechpartnern suchen. Das lässt sich gut mit der Dachdeckerei vergleichen, wo man ja auch für Reetdächer, Hallendächer, Denkmalschutz usw. jeweils die passenden Fachbetriebe aussucht.

Wie bereitet man Auswahl und Kontaktaufnahme vor?
Recherchieren Sie im Vorfeld zunächst selbst und nutzen Sie dabei mehr als eine Informationsquelle. Sinnvolle Kombination: Empfehlungen aus dem Kollegenkreis sowie ggf. von Fachleuten der gesuchten Fachrichtung (Steuerberater, Weiterbil­dungs-Dozenten, Redner auf Fachveranstaltungen etc.), Nachfrage bei Kammern und Verbänden, Internet-Suche, Auswertung von Fachpresse und anderen Medien.

  • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, sich zu informieren, und überstürzen Sie die Entscheidung nicht. Überlassen Sie die Auswahl nicht dem Zufall („ich kenn da jemanden“), sondern suchen Sie systematisch und sachlich und nicht (nur) nach Sympathie. Vergleichen Sie dabei unbedingt auch die Kosten; die Honorarsätze können nämlich erheblich variieren.
  •  Gehen Sie keinesfalls auf Anbieter ein, die Sie unter Zeitdruck setzen.
  • „Ein ordentlicher Berater, der sein Handwerk versteht, geht nicht von Tür zu Tür oder versucht über das Telefon Beraterverträge zu bekommen“, warnt gruenderlexikon.de. Also Vorsicht bei Personen, die Kaltakquise betreiben und Sie von sich aus ansprechen, um Sie für einen Auftrag zu gewinnen. Da drängt sich der Vergleich mit „Dachhaien“ auf, die von Haus zu Haus gehen und den Bewohnern dringenden Reparaturbedarf vor Augen führen, um dann ihre (in der Regel handwerklich mangelhaften) Dienste anzubieten.
  • Absolut nicht empfehlenswert sind Anbieter, die vorher etwas ganz anderes gemacht haben. Unternehmensberatung entscheidet mit über die wirtschaftliche Zukunft Ihres Unternehmens. Da haben Sie Anspruch auf erprobtes Fachwissen und einschlägige Erfahrung. Es geht schließlich um Ihre Firma, Ihre Zukunft und Ihr Geld!

Wie und nach welchen Kriterien wählt man aus?
Treffen Sie auf Grundlage der zusammengetragenen Adressen eine Vorauswahl. Sprechen Sie stets mehrere Berater an. Manche IHKs schlagen vor, bis zu drei in die engere Wahl zu nehmen. Werten Sie zunächst das Informationsmaterial (Internet, zugesandte Broschüren) aus und verschaffen Sie sich einen Überblick. Haken Sie auf einer Checkliste ab, für welche Ihrer Anliegen der jeweilige Berater qualifiziert ist. Führen Sie dann vor Ort in Ihrem Betrieb ein Kontakt- und Kennenlerngespräch, um einen persönlichen Eindruck zu gewinnen. Achten Sie bei dem Gespräch darauf, ob sich der Kandidat bzw. die Kandidatin ernsthaft für Ihr Unternehmen interessiert und welche Fragen er / sie stellt.

  • Legen Sie unbedingt Wert auf eine nachweisbare fachliche Qualifikation. Prüfen Sie alle Angaben nach. Lassen Sie sich zum Beispiel Referenzprojekte schildern und frage Sie anschließend bei diesen Referenzkunden nach, welche Erfahrungen diese gemacht haben und welche Erfolge erzielt wurden.
  • Sie sollten misstrauisch werden, wenn nur vage Angaben zur Ausbildung, zur Vorgeschichte oder anderen Aufträgen gemacht werden oder aus Gründen der angeblichen „Geheimhaltung“ keine Referenzen genannt werden.
  • Fragen Sie nach den Methoden und der Vorgehensweise.
  • Gehen Sie nicht von Anfang an eine längerfristige vertragliche Bindung ein. Sinnvoll ist zum Beispiel eine Aufgliederung der Aufgaben in einzelne Schritte. Lassen Sie zunächst eine Analyse erstellen. So können Sie feststellen, ob Sie mit der Arbeitsweise und Genauigkeit einverstanden sind und sich verstanden fühlen.

Welchen Rahmen braucht ein Beratungsprojekt?
Gute, solide Unternehmensberater besprechen mit Ihnen den Umfang, stimmen einen Zeit- und Kostenplan mit Ihnen ab und lösen dann nach und nach vereinbarungsgemäß die verabredeten Aufgaben. Klares Ziel der Beratung muss sein, sich überflüssig zu machen, so dass die Firma wieder allein zurecht kommt.

  • or Auftragserteilung sollten Aufgabenstellung und Vorgehensweise in den schriftlichen Vertragsvereinbarungen exakt beschrieben werden. Ebenso die Höhe des Honorars (inklusive Nebenkosten) sowie die Zahlungsbedingungen. Auch Verschwiegenheitsklauseln sowie Regelungen zur eventuellen vorzeitigen Beendigung der Zusammenarbeit müssen festgehalten werden. Lassen Sie die Unterlagen durch einen Juristen Ihres Vertrauens prüfen.
  • Zu den Vereinbarungen sollten regelmäßige Gespräche gehören, in denen Ihr Berater Rechenschaft über die Beratungsfortschritte ablegt. IHK-Tipps raten außerdem zu Dokumentation schwarz auf weiß: „Die Beratungsleistung sollte in einem schriftlichen Beratungsbericht dokumentiert werden.“
  • Stellen Sie Ansprüche an deren Form, Qualität und Gehalt. Sie haben nichts davon, wenn man Ihnen nur Fotos von den Workshop-Präsenta­tions­wänden und Flipcharts übermittelt. Das sieht zwar nett aus, enthält aber keine umsetzbaren Handlungsanweisungen, die Sie weiter bringen.
  • Lassen Sie sich nicht auf Beratungs-Veranstaltungen ein, bei denen die Problemlösung letztlich Ihnen überantwortet wird. Ein typisches Beispiel sind „Workshops“, die Probleme aufzeigen, ohne dass praktische Lösungs­vorschläge oder ein sonstiger konstruktiver Beitrag des Beraters folgen.
  • Größte Vorsicht ist geboten, wenn sich die Projektarbeit hinzieht oder sogar versucht wird, eine Art Dauerberatung zu installieren.
  • Fachleute warnen insbesondere auch vor Beratern, die über den vereinbarten Auftragsumfang hinaus zusätzliche Leistungen (Werbematerial, Versicherungen, Internetseiten etc.) anbieten.

Gute Beratung beginnt mit guter Beratung!
Für qualifizierte Unternehmensberatung stehen öffentliche Fördergelder zur Verfügung – sowohl vom Bund als auch auf Länder- und regionaler Ebene. Gefördert wird der Beratungsbedarf unter anderem bei Unternehmensgründungen, bei Betriebsübernahmen sowie zur Steigerung der betriebswirtschaftlichen, technischen und Führungs-Qualifikation. Das Spektrum reicht von Zuschüssen zu den Beraterkosten bis hin zu Krediten. Lassen Sie sich deshalb vor Inanspruchnahme einer Beratung am besten zunächst einmal beraten! Wichtig: Nur bei Klärung eventueller Bezuschussung im Vorfeld werden Gelder gewährt, nachträglich kann man keine Förderung in Anspruch nehmen.
Die Kammern sind die ersten Ansprechpartner. In vielen Fällen können außerdem auch die Hausbanken der Handwerksbetriebe weiterhelfen.